Zum Beispiel Whitney Tilson, der Geld verdient, indem er auf fallende Aktienkurse setzt. Vergangene Woche schloss der Short Seller seine Position gegen Lumber Liquidators Holdings, die er von einem Kurs von etwa 100 Dollar bis weniger als 20 Dollar begleitete. Er trug zum Kursverfall bei, indem er 2013 Verdächtigungen über die Bodenbeläge der Firma veröffentlichte.

Oder die Kampagne gegen Valeant Pharmaceuticals International von Andrew Left und seiner Citron Research in diesem Herbst. Valeant war bereits von Politikern und John Hempton von Bronte Capital geprügelt worden, und die Aktie sackte ab, als Left die Firma mit Enron verglich. Damit trug er am stärksten zur Abwärtsspirale des Pharmaunternehmens bei. 

Leerverkäufer sind nicht prominent

Short Seller - oder Leerverkäufer - sind nicht besonders prominent. Selbst Bill Ackman ist ausserhalb der Finanzwelt relativ unbekannt. Aber in der heutigen Zeit, wo der sechsjährige Bullenmarkt allmählich an Kraft verliert, richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte wie nie zuvor auf Bären wie Tilson. Hinzu kommt, dass sich heutzutage jeder mit einem Twitter-Konto anonym als Hobbyanalyst betätigen und Aktien niederreden kann. Und mit dem Kinofilm "The Big Short" stehen Leerverkäufer, die sonst oft als Schurken gelten, vielleicht erstmals öffentlich als die Guten da. 

Während Stock Picker Kunden verlieren, haben einige Erfolge von Short Sellern diese Strategie populärer gemacht. Der Datenanbieter Activist Shorts hat in diesem Jahr 171 öffentliche Short-Kampagnen dokumentiert - 2014 waren es nur 145. In den USA hat die Leerverkaufsquote jüngst den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreicht. 

Gutes Jahr für Short Seller

Das Jahr endet für Short Seller sehr viel freundlicher als es begonnen hatte. Nach einigen schweren Jahren während des Bullenmarkts in den USA sah es in der ersten Jahreshälfte zunächst weiterhin schlecht aus. Es gab einen Fusionsboom und billige Kredite, und aktivistische Investoren trugen dazu bei, die Aktien schwacher Unternehmen zu stützen. 

“Anfang Juli hat sich das geändert”, sagt Amir Madden von der GAM Holding. Ängste wegen einer Abkühlung in China gingen am Markt um, und die Rohstoffpreise sackten ab. Milliarden wurden an den globalen Aktienmärkten ausgelöscht. Plötzlich entwickelten sich die Dinge zugunsten der Short Seller, mit einem starken Bruch und einer Zunahme der Volatilität, während die Sommerflaute weiterging. “Manager, die in Einzelwerten short waren und gegen Indizes wetteten, zeigten allmählich eine starke Performance." 

Left nutzte die Bekanntheit, die er sich mit Valeant erworben hatte. Mit seiner Kritik am Pharmaunternehmen Mallinckrodt schickte er dessen Aktien auf Talfahrt. Zwar zogen die Erfolge im Pharmabereich die meiste Aufmerksamkeit auf sich, aber Citron hat mindestens 55 Short-Kampagnen öffentlich gemacht. In einem Interview scherzte Left, er habe "nur" 14 Jahre Short Selling gebraucht, um einen Übernachterfolg zu erzielen. 

Auch Tilson verbuchte einen Erfolg nach dem anderen. Als er im November eine Studie herausgab, in der er die Qualität der Bodenbeläge des Möbelhändlers Wayfair anzweifelte, gaben auch dessen Aktien nach. Zwar habe es auch misslungene Wetten gegeben, aber insgesamt sei das Jahr "spektakulär" gut verlaufen, erklärt er. Zuvor hatte er bereits erfolgreich Lehman Brothers leerverkauft, nur Monate, bevor die Bank 2008 zusammenbrach. 

Carson Block ist ein weiterer Shortseller, der ein fantastisches Jahr 2015 verkündet. Im April brachte seine Firma Muddy Waters einen skeptischen Bericht über den Cashflow von Noble Group heraus und krönte das Jahr letzte Woche, indem sie die Finanzen der französischen Casino Guichard-Perrachon in Frage stellte, worauf deren Aktien abstürzten. Nachdem die Bullenmärkte und Zinsen nahe null jahrelang die Aktienkurse gestützt haben, sagt Block, dass es nun die Zeit der Short Seller gekommen sei. 

“Die Schulden, die die Unternehmen in den letzten Jahren aufgenommen haben, schlagen nun auf sie zurück", sagt Block. “Aktivisten sagen jetzt, das ist nicht richtig, dieses Wachstum ist nicht so, wie die Investoren glauben dass es sei. Bis jetzt sind es eher die Aktivisten als organische Blasen, die platzen. Aber nicht mehr lange, und wir werden organische Blasen platzen sehen." 

Eine Mail schickt den Aktienkurs in den Keller

Bis jetzt aber geben die Short Seller den Ton an. Tilson zum Beispiel fiel im November etwas Merkwürdiges auf. Er schickte eine E-Mail an rund 200 Kunden und Freunde, in der er die Wette eines anderen Short Sellers gegen Universal Insurance Holdings lobte. Die Nachricht enthielt gar keine genaue Liste angeblicher Fehler, aber in dem Augenblick, als er auf "Senden" klickte, begann die Aktie zu fallen. Sie verlor an dem Tag 17 Prozent. Dabei war das gar nicht seine Absicht gewesen. 

“Eine kleine E-Mail verschicken und zuschauen, wie die Aktie fällt", sagte Tilson. "Das hat mich überrascht. Die Häufigkeit von Short-Kampagnen hat stark zugenommen, und die Auswirkungen ebenfalls."

(Bloomberg)