Wenige Tage vor der Veröffentlichung mit Spannung erwarteter Wachstumsdaten zeichnete Ministerpräsident Li Keqiang am Wochenende das Bild einer robusten Wirtschaft und trat Ängsten vor einem Währungskrieg entgegen. Sein Land habe nicht die Absicht, die Exporte über eine Abwertung des Yuan anzukurbeln, sagte Li der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge. China verfüge über ausreichend Instrumente, um die Landeswährung stabil zu halten.

Die Währungspolitik der Volksrepublik hatte zuletzt für Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Dort nährte die Abwertung des Yuan zu Jahresbeginn Spekulationen, die Führung in Peking wolle den eigenen Unternehmen unfaire Vorteile im Auslandsgeschäft verschaffen. Nach dem Börsencrash im Sommer hatte die Notenbank massiv Fremddevisen verkauft, um den Yuan-Kurs zu stützen.

Auch aktuell setzt sie verschiedene Hebel an, um Spekulationen auf eine weitere Schwächung der Landeswährung aufzuhalten. Als neuster Schritt sollen Banken, die im Auslandsdevisenhandel tätig sind, höhere Yuan-Reserven vorgeschrieben werden, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichteten. Damit sollen Yuan-Bestände im Handel reduziert und Wettgeschäfte erschwert werden.

Wachstum von rund sieben Prozent

An den Börsen geht derzeit die Furcht um, dass die zweitgrösste Volkswirtschaft deutlich an Fahrt verliert und damit die Weltkonjunktur bremst. Daher gilt den für Dienstag erwarteten Zahlen zum chinesischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 besonderes Augenmerk. Ministerpräsident Li sagte, das BIP sei im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent auf umgerechnet mehr als zehn Billionen Dollar gestiegen. Das wäre das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert. Analysten haben prognostiziert, dass sich das Wachstum 2015 auf 6,9 Prozent abkühlte nach 7,3 Prozent im Jahr davor.

Li zufolge wurde die Wirtschaftsleistung zur Hälfte im Dienstleistungssektor erzielt. Am Arbeitsmarkt sei es besser gelaufen als erwartet. Der Konsum habe fast 60 Prozent zum Wachstum beigetragen. Nach Behördenangaben stieg der Energieverbrauch 2015 um 0,5 Prozent. Die Steuereinnahmen legten laut Xinhua um 6,6 Prozent zu.

Li äusserte sich bei einem Treffen mit dem Präsidenten der europäischen Förderbank EBRD, Suma Chakrabarti. China gehört neuerdings zu den Mitgliedern der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRB). Diese strebt zudem eine Zusammenarbeit mit der von China angestossenen Entwicklungsbank für Asien (AIIB) an, die am Wochenende offiziell ihre Arbeit aufnahm. Zu deren Gründungsmitgliedern gehört auch Deutschland, das nach China, Indien und Russland viertgrösster Anteilseigner ist.

(Reuters)