Während Ramschanleihen Schiffbruch erlitten, Zahlungsausfälle zunahmen und Third Avenue Management mit einer temporären Rückzahlungsaussetzung die Märkte schockierte, profitierten die Manager der führenden Fonds mit spekulativ eingestuften Anlagen vergangenes Jahr ganz einfach davon, den schlimmsten Verlusten aus dem Weg zu gehen.

Das bedeutete, erstens dem Reiz von Ramschanleihen der riskantesten Emittenten zu widerstehen, selbst als die Renditen auf ihr höchstes Niveau seit der Finanzkrise kletterten, zweitens an Papieren festzuhalten, die bald fällig sein würden, und drittens alles zu vermeiden, was nach Öl roch.

"Unser Ziel ist, die sichersten Wertpapiere am Markt auszuwählen", sagte Tom Price, Co-Manager des 1,4 Mrd. Dollar schweren Hochzinsfonds von Wells Fargo vor dem Jahreswechsel. "Wir sind willens, hinter der Konkurrenz zurückzubleiben. Doch wenn es am Markt nach unten geht, dann sind wir ganz oben."

Der Wells Fargo Short-Term High Yield Bond Fund hatte 2015 unter den Hochzinsfonds mit einem Anlagevermögen von mehr als 1 Mrd. Dollar die Nase vorn, nachdem er in jedem der vorigen sechs Jahre noch hinter dem Markt zurückgelegen hatte. Bis zum Ende der Weihnachtswoche wies dieser Fonds einen Ertrag von zwei Prozent auf. 

Drei Gewinner

City National Rochdale Fixed Income Opportunities Fund, der im selben Zeitraum 1,6 Prozent gewann, und der Prudential Short Duration High Yield Income Fund mit einem Plus von 0,7 Prozent wiesen die nächsthöchsten Zuwächse auf, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. 

Fondsmanager Price von Wells Fargo häufte Verbindlichkeiten mit Fälligkeiten innerhalb von drei Jahren an, vor allem eine Stufe unterhalb der Qualitätsklasse Investment Grade eingestufte Schuldpapiere, wie Bloomberg-Daten belegen. Ein Portfolio aus Anleihen mit "BB"-Noten im Bloomberg USD High Yield Corporate Bond Index, die in ein bis drei Jahren fällig werden, hätten den Indexdaten zufolge für das Jahr bis zur Weihnachtswoche einen Ertrag von fast sechs Prozent gebracht.

Das Halten qualitativ hochwertigerer Anleihen war auch eine wichtige Strategie für Bruce Simon, den Investmentchef von City National Bank in Los Angeles, die den Fixed Income Opportunities Fund führt. Das liegt seiner Aussage nach daran, dass noch immer unklar ist, ob der Grund für die jüngere Verschlechterung am Markt für Ramschanleihen eine fundamentale Kreditschwäche sei.

Zwar hatten Anzeichen für eine Besserung der US- Wirtschaftslage die Federal Reserve in diesem Monat zu einer Zinserhöhung veranlasst, doch Simon braucht mehr Belege. "Hochzins sieht mit Sicherheit attraktiv aus, doch wir bewegen uns in Richtung Qualität und halten uns aus den am schlimmsten in Mitleidenschaft gezogenen Sektoren raus, bis sich die Erholung klarer abzeichnet."

Auch Michael Collins, der sich mit um den 1,3 Mrd. Dollar schweren Prudential-Fonds kümmert, erkämpfte ein kleines Plus in diesem Jahr, indem Emittenten aus dem Energie- und Rohstoffsektor gemieden wurden. Energieanleihen rutschten 19 Prozent ab und folgten somit dem einbrechenden Rohöl nach unten.

Mehr Ärger

Auch wenn sich der Ölpreis wieder erholen sollte, wird Collins sich nicht so bald für Anleihen aus dem Energiesektor interessieren. Rohöl war schliesslich der Stolperstein, der einige grosse Investoren vergangenes Jahr ins Wanken brachte, darunter Franklin Advisers Inc. und den American High-Income Trust Fund von Capital Group in Los Angeles. 

"Es kann jederzeit eine Erholung der Energiepreise geben, aber das bedeutet nicht, dass man darauf vertrauen sollte", erklärte er.

Collins dürfte in diesem Jahr nach demselben Strickmuster vorgehen, da Investoren wie Jeffrey Gundlach, Carl Icahn und Wilbur Ross vor mehr Ärger im Hochzinssegment gewarnt haben und weil es keine Anzeichen für eine Ölpreisrally gibt.

"Dem Hochzinsmarkt mangelt es nicht an Dramatik", sagte Collins. "Allein die stärker gehebelten und niedriger bewerteten Kredite zu vermeiden, spielte 2015 für unsere Wertentwicklung eine grosse Rolle, und es ist auch jetzt keine schlechte Strategie."

(Bloomberg)