Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zog die AfD am Sonntag mit zweistelligen Ergebnissen in die Parlamente ein. In Sachsen-Anhalt wurde sie den Hochrechnungen zufolge mit über 20 Prozent sogar zweitstärkste Kraft. CDU und SPD mussten zum Teil herbe Verluste hinnehmen, was auch als Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gewertet wird. In Baden-Württemberg landete die CDU deutlich hinter den Grünen, die unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann erstmals überhaupt stärkste Partei wurden. In Rheinland-Pfalz verteidigte die SPD ihre Führungsposition, in Sachsen-Anhalt gelang dies der CDU.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry sagte in der ARD: "Wir sehen in diesen Wahlen, dass sich die Wähler von den großen Volksparteien im großen Maße abwenden." Die AfD sei trotzdem keine reine Protestpartei, die nur von der Flüchtlingskrise profitiere. Die höhere Wahlbeteiligung sei zudem ein Gewinn für die Demokratie. Insgesamt waren fast 13 Millionen Wahlberechtigte am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, und damit ein Fünftel der Wahlberechtigten in ganz Deutschland.

Der Wahlerfolg der AfD wirft die Frage auf, ob das Erstarken der Rechtspopulisten Investoren von Deutschland fernhalten wird. Hier die Einschätzung von Ökonomen.

HOLGER SANDTE, EUROPA-CHEFVOLKSWIRT VON NORDEA:

"In vielen Ländern drängen politische Außenseiter nach vorne, nun auch in Deutschland. Das macht das Regieren nicht einfacher. Aber alles ist relativ, und im Vergleich zählt Deutschland immer noch zu den politisch stabilsten und berechenbarsten Ländern in Europa. Anders als in Frankreich oder Spanien gibt es die Tradition der großen Koalition, und die politische Mitte ist immer noch relativ stark. Daher glaube ich nicht, dass das Vordringen der AfD ausländische Investoren abschreckt."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Überall in Europa sind Protestparteien im Kommen - im Süden meist mit linkem Anstrich, im Norden mit rechtem Anstrich. Insofern sind ausländische Investoren über das Aufkommen der AfD nicht überrascht. Darüber hinaus wissen sie, dass die traditionellen Parteien in Deutschland zusammenrücken dürften, um trotz des Erstarkens der AfD stabile Regierungen im Bund und in den Ländern zu bilden. Die politische Stabilität in Deutschland sehen sie nicht gefährdet.

Allerdings fragen sie sich, wie die notwendige Weiterentwicklung der Währungsunion vorangetrieben werden kann, wenn in vielen Ländern anti-europäische Protestparteien auf dem Vormarsch sind. Risiken sehen sie also vor allem für die weitere europäische Integration."

LARS EDLER, LEITER INVESTMENTSTRATEGIE SAL. OPPENHEIM:

"Wenn man auf die Rentenmärkte schaut, dann hat Deutschland seinen Charakter als sicherer Hafen alles andere als verloren. Das Vertrauen der Anleger in die politische Stabilität scheint ungebrochen da zu sein. Internationale Investoren beobachten die Vorgänge sehr eng, auch die Ergebnisse der Landtagswahlen.

Die Unternehmen brauchen ein stabiles regulatorisches Umfeld. Ob nun mit oder ohne AfD im Bundestag und in Landtagen: Das wird zunächst nichts daran ändern, dass man sich in München recht wohl fühlt. Unternehmen entscheiden rational. Sie wägen genau ab, wann und wo sie investieren. Das sind langfristige Entscheidungen, teils über Jahre oder Jahrzehnte. Ich glaube nicht, dass ein Wahlerfolg der AfD ein Entscheidungsparamater ist."

(Reuters)