Ayatollah Ahmad Iravani ist Leiter des "Centre for the Study of Islam & the Middle East" in Washington D.C. in den USA. Der Iraner setzt sich für interkulturelles Verständnis und Dialog ein und ist zum dritten Mal am WEF in Davos.

cash: Herr Iravani, nach dem Abschluss des Nuklearabkommens mit der internationalen Gemeinschaft steht der Iran vor der Rückkehr in die Weltwirtschaft. Bricht für das Land eine neue Ära an?

Ahmad Iravani: Das sollte man nicht überbewerten, aber es ist eine Chance für den Iran. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Land schon unter den Sanktionen verschiedenste Gelegenheiten wahrgenommen hat.

Wie beurteilen Sie die derzeit sehr unstabile Lage im Nahen Osten?

Es ist sehr bedauerlich, was derzeit passiert, speziell die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien. Das verärgert mich sehr. Die ganzen Spannungen in der Region, speziell mit Syrien, hängen auch damit zusammen, dass der Iran während Jahren nie zu Gesprächen eingeladen wurde. Ich hatte das immer kritisiert, auch hier in Davos vor drei und vor zwei Jahren. Das hat sich glücklicherweise nun geändert. Wenn Saudi-Arabien und Iran nun nicht zusammenarbeiten, werden wir keinen Frieden haben in der Region. Die beiden Länder bewegen sich derzeit auseinander. Das gibt Anlass zu Besorgnis.

Wie lange wird der Krieg in und um Syrien noch dauern?

Das weiss ich nicht. Das hängt von vielen 'Wenns' ab, besonders auch vom Einfluss der Supermächte. Ich hoffe einfach, dass wir in einigen Jahren Stabilität und Frieden haben werden. Andernfalls...

...besteht die Gefahr, dass die Lage ausser Kontrolle gerät?

Das ist genau meine Befürchtung. Russland ist in den Konflikt eingetreten, die USA auch. Und wer weiss, ob nicht auch China in den nächsten Monaten oder im nächsten Jahr in den Konflikt eintritt.

Der ständig fallende Ölpreis trägt ja auch nicht zur Beruhigung der Lage bei.

Genau. Die Länder sehen sich wegen der geringeren Einnahmen mit Defiziten konfrontiert. Und wenn weniger Geld hereinkommt für die Staaten, tritt eine Destabilisierung ein. In den Ländern könnte es intern zu Protesten oder Aufständen kommen.