Es war einst der Darling der Aktionäre, Attribute wie das "neue Berkshire Hathaway" machten die Runde. Die Aktien der kanadischen Pharmafirma Valeant wurden heiss gehandelt und erreichten noch im letzten August 264 Dollar. Heute sind davon 39 Dollar übrig. Allein am gestrigen Dienstag verloren die Aktien nochmals 50 Prozent, es war der schlimmste Tagesverlust an der Börse. Die Erfahrung zeigt, dass sich ein derartiger Kursverlauf einer Aktie so schnell nicht wieder wettmachen lässt. Im schlimmsten Fall endet er mit einem Totalausfall für die Aktionäre.

So weit hergeholt ist der Gedanke nicht. Im letzten August kamen erste Bilanzierungsvorwürfe gegen Valeant auf, was die Aktie erstmals heftig auf Talfahrt schickte. Und im Oktober verglich ein Analysehaus Valeant mit der Skandalfirma Enron, deren Geschäftsmodell sich als Betrug herausstellte.

Das Dumme aus Schweizer Sicht: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist kein unbedeutender Aktionär von Valeant. Sie hielt Ende 2015 1,43 Millionen Aktien. Die SNB hatte den Bestand im letzten Quartal, als es bei Valeant schon lichterloh brannte, bloss minimal reduziert. Im zweiten Quartal im letzten Jahr hatte sie noch über 160'000 Aktien dazugekauft. Die SNB sitzt nun auf einem Valeant-Buchverlust in einer dreistelligen Millionenzahl an Dollar. Wenn es beim Buchverlust bleibt.

Ist die SNB nun zu tadeln, dass sie bei Valeant nicht eingegriffen hat? Wenn man sich die SNB-Anlagephilosophie vor Augen hält, heisst die Antwort: Nein. Die SNB investiert bei ihren Aktienengagements indexnah, das heisst sie legt passiv an und betreibt kein aktives Stock Picking. 

Doch in dieser passiven Haltung liegt zugleich die Schwäche. Die Nationalbank wird sich mit ihrer momentanen Anlagepolitik bei Aktien immer gegen Kritik rechtfertigen müssen. Sei es bei Kursdebakeln wie Valeant, sei es bei Firmen mit ethisch zweifelhaftem Geschäftsmodell. In solche Aktien investiert die SNB nach öffentlichem Druck erst seit zwei Jahren nicht mehr. Dennoch wurde hier die SNB gerade kürzlich wieder wegen dubioser Einzelengagements kritisiert.

Das Problem ist: Die SNB kann und will mit ihren 6000 verschiedenen Aktienengagements, davon fast die Hälfte in den USA, ihr Anlageuniversum gar nicht einzeln überprüfen. Das heisst, sie muss mit dem passiven Investitionsansatz die einzelnen Firmen und deren Aktienkursverlauf auch nicht genau verfolgen und entsprechend eingreifen. Davon fehlt ihr mit einem Anlageteam von etwa zwei Dutzend Leuten auch die Ressourcen und ganz offensichtlich auch das Know-How.

Längerfristig muss daher eine Professionalisierung der SNB-Anlagesystems umgesetzt werden. Das geht mit der Einführung eines Staatsfonds nach norwegischem Vorbild. Diese von der eigentlichen SNB unabhängigen Schwesterorganisation hätte die Befugnis, den in die Schweiz fliessenden Kapitalstrom im Ausland anzulegen. Fehlanlagen wären auch da nicht auszuschliessen, aber man hätte die Möglichkeit zum aktiven Portfolio-Management, statt offenen Auges in ein Kursdebakel à la Valeant zu marschieren. Zudem würde die Transparenz erhöht und es bestünde Rechtfertigungszwang der Öffentlichkeit gegenüber.

Die SNB investiert löblicherweise rund 15 Prozent ihres Anlageportfolios in Aktien, das ist einer der weltweit höchsten Wert für eine Zentralbank. Was fehlt, sind die professionellen Strukturen des Anlagesystems.