«Buy and Hold»: ­Langfriststrategie
Sie ist die Mutter aller Anlagestrategien für Aktien – und für Anleger die bequemste. «Buy and Hold» setzt auf die langfristige Anlage von Wertpapieren. Investoren kaufen Aktien und behalten diese – in Erwartung einer Wertsteigerung – über Jahre oder Jahrzehnte unangetastet im Depot. Durch den Wegfall von häufigem Kaufen und Verkaufen der Aktien fallen auch die entsprechenden Gebühren weg. Bis Ende der 1990er-Jahre funktionierte diese Strategie in stetig steigenden Aktienmärkten fast perfekt. Seither gabs zwei grosse Börsen-Crashs, die Märkte wurden volatiler und unberechenbarer. So stieg der Swiss Market Index von Mitte 2000 bis im letzten Jahr nur wenige Prozente. Fazit: «Buy and Hold» ist sicher gut für einen Teil des Depots. Den anderen sollte man zwecks Renditeoptimierung aktiv verwalten. So ist man als Anleger auch gezwungen, sich aktiv mit den Märkten zu befassen und das Portefeuille regelmässig einem Check zu unterziehen.

«Dogs of the Dow»: ­Dividendenstrategie
Hier werden zu Jahresbeginn die Aktien ausgewählt, die im US-Leitindex Dow Jones oder im Index eines anderen Landes die zehn höchsten Dividendenrenditen (Verhältnis der Dividende zum aktuellen Aktienkurs) aufweisen. Die zehn Aktien werden ein Jahr gehalten, dann wiederholt sich dasselbe Auswahlverfahren jährlich wieder. Aktien, die punkto Rendite nicht mehr in die Top-Ten passen, werden entfernt, neue dazugekauft. Risiken dieser Strategie: Eine hohe Dividendenrendite kann durch einen tiefen Aktienkurs entstehen, was auf Schwierigkeiten der Firma hindeutet. Zudem kann mit den zehn besten Aktien eine hohe Branchenabhängigkeit entstehen. Analysen zeigen, dass die «Dogs-of-the-Dow»-Strategie von 1973 bis 1999 eine bessere Kursentwicklung brachte als ein direktes Investment in den ganzen Dow-Jones-Index. Von 1995 bis 2014 war die «Dogs»-Strategie nur dann besser, wenn man die ausbezahlten Dividenden gleich wieder reinvestierte.

«Halloween-Effekt»: Saisonstrategie
Ab Anfang November (und somit gleich nach Halloween) startet für Aktien tendenziell das bessere Halbjahr als in der Phase von Mai bis Oktober. Das zeigen diverse Studien. Eine dieser Untersuchungen zeigte, dass der breit gefasste US-Index S&P 500 von 1971 bis 2002 im Winterhalbjahr ein durchschnittliches Plus von 7,1 Prozent aufwies, im Sommerhalbjahr aber nur ein Plus von etwa 1 Prozent. Diese Unterschiede galten auch für diverse Branchen mit Ausnahme des Gesundheitssektors, wo der Sommer im Schnitt besser war. Unterstützt wird der «Halloween-Effekt» durch die oft stattfindende Jahresendrally und das «Window Dressing»: Vermögensverwalter kaufen Aktien, die im Verlauf des Jahres gut gelaufen sind, und verkaufen Verlierertitel. Das befeuert die Börsen zusätzlich. Anleger sollten Aktien also eher im Herbst kaufen, den «Halloween-Effekt» aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage für Aktienanlagen herbeiziehen.

Social Trading: ­Community-Strategie
Trittbrettfahren an der Börse – da orientierten sich Hobby-Anleger früher vor allem an den Anlagetätigkeiten von Starinvestoren wie Warren Buffett in den USA oder Martin Ebner in der Schweiz. Doch das Internet ermöglicht den Anlegern neue Horizonte fürs Nachahmen von Investitionen. «Wisdom of the Crowd» (Klugheit der Masse) heisst das Anlegen der Zukunft. Vorreiter dieses Trends sind Investoren-Netzwerke wie – Wikifolio.com (www.cash.ch/wikifolio) oder ayondo.ch. Hier machen Hobby-Anleger und Investment-Profis ihre Depots öffentlich, der Anlageerfolg (oder Anlagemisserfolg) ist in Echtzeit einsehbar. Stars sind nicht mehr Buffett oder Ebner, sondern Müller oder Meier. Man kann Depots und damit die Anlagestrategien anderer Mitglieder der Plattform nachhandeln (etwa mit Zertifikaten). Anleger können auch selber Depots erstellen und publizieren. Findet ein Portfolio Anklang in der Community, kann es investierbar werden für andere Anleger. 

52-Wochen-Hoch-Trick: Trendstrategie
Erreicht eine Aktie ein neues Hoch für die letzten 52 Wochen, ist dies für viele Anleger ein wichtiges Kaufsignal – allerdings aus unterschiedlichen Beweggründen. Für Chart-Techniker – also Leute, welche die künftigen Börsenkurse ausschliesslich aufgrund von Kursgrafiken der letzten Wochen, Monate und Jahre zu prognostizieren versuchen – sind 52-Wochen-Hochs eines der positivsten Signale. Speziell dann, wenn der Gesamtmarkt seitwärts oder abwärts tendiert. Einer Aktie auf Jahreshoch attestieren Anleger einen positiven Trend, der sich noch verstärken kann. Denn die Aufmerksamkeit der Anleger steigt, und sehr oft überzeugen dann auch die operativen Ergebnisse der betreffenden Firma. Auch die Anhänger des langfristigen Haltens von Wertschriften setzen auf den 52-Wochen-Trick. Noch lieber sind ihnen die Signale von Aktien, die Mehrjahreshochs erreichen. Langfristig lassen sich aus ihrer Sicht so die höchsten Gewinne mit Aktien erzielen. 

Hindenburg-Omen: Chart-Strategie
Chart-Techniker haben einen ganzen Baukasten von Börsenindikatoren. Sie tragen teils eigenartige Namen, und meist deuten sie Schlimmes an. So gilt das Hindenburg-Omen (benannt nach dem Absturz des gleichnamigen Zeppelins 1937 in den USA) als Warnsignal für eine Börsenbaisse oder gar einen Crash. Das Omen setzt sich aus fünf Teilen zusammen und ist fast eine eigene Wissenschaft. So müssen von den rund 3200 an der US-Börse gehandelten Aktien mindestens 2,2 Prozent ein neues 52-Wochen-Hoch und mindestens 2,2 Prozent ein neues 52-Wochen-Tief erreicht haben. Ein Omen allein ist noch nicht aussagekräftig, es muss sich in den nächsten 36 Tagen wiederholen. Das Hindenburg-Omen lag etwa 1987 und mit Abstrichen auch 1999 richtig, als es die Börsencrashs voraussagte. In den letzten Jahren sandte es mehrere Fehlsignale aus. Am besten halten Sie in der tagesaktuellen Berichterstattung auf cash.ch Ausschau nach dem Hindenburg-Omen.

Die Börsensignale aus der US-Wirtschaftswelt

Nebst vielen Signalen und Indikatoren, die sich aus einer bestimmten Konstellation von Börsenkursen ergeben, achten Anleger auch auf «handfeste» Hinweise aus der Wirtschafts- und Finanzwelt, um den Verlauf der Börsen abzuschätzen. Viele Investoren setzen dabei auf den Purchasing Manager Index aus den USA. Der Index basiert auf einer monatlichen Umfrage unter den Einkaufsmanagern von mehr als 400 US-Firmen des verarbeitenden Gewerbes. Ein weiterer viel beachteter US-Index ist der Russell 2000. Er umfasst die 2000 kleinsten US-Unternehmen punkto Marktkapitalisierung. Das «Barometer» zeigt in der Regel eine Kurskorrektur an den Märkten sehr früh an. Der Dow Transportation Index gilt besonders als Indikator der US-Konjunktur und damit auch der Aktienmärkte. Ein Rutsch des Index deutet auf eine konjunkturelle Schwäche hin und ist ein Warnsignal für Anleger. Zur Beurteilung, ob man nun eher Aktien kaufen oder verkaufen soll, ziehen viele Investoren auch den Fear & Greed Index von CNN Money heran. Er besteht aus sieben Messparametern und reicht von 0 (extreme Angst der Anleger) bis 100 (extreme Gier). Hohe Werte deuten auf eine Überbewertung der Märkte hin; dann müssten Anleger eigentlich verkaufen. Bei tiefen Indexständen sollten Anleger zukaufen – was aber einigen Mut erfordert. Aber schon Anleger-Guru Warren Buffett wusste: «Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.»

 

Dieser Beitrag ist Teil des am 3. Februar 2016 publizierten cash-Anlegermagazins «VALUE». Dort erfahren Sie auch viel Wissenswertes über Aktien: lohnende Langfristanlagen, sechs Anlagestrategien, Tipps zu ETF.

Sie können das Magazin als E-Paper lesen, als PDF herunterladen oder gratis als gedruckte Ausgabe bestellen.