Bis zu 1.3134 Franken kostete ein Euro am Montag an den Devisenmärkten, sogar noch mehr am letzten Freitag. Auf das ganze Jahr gesehen ist das immer noch sehr wenig. Dennoch wertete sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro seit seinem Rekordhoch am 31. August bei 1.2852 Franken wieder ab.

Es könnte sich ein ähnliches Muster abzeichnen wie bereits zwei Monate zuvor. Der Euro-Franken-Kurs sackte zuvor wegen der griechischen Schuldenkrise um 9 Prozent von 1.4449 Franken auf 1.3184 Franken ab. Danach war jedoch Schluss mit der Einbahnstrassenbewegung.

Die Probleme rund um Griechenland wurden angegangen, positive Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum beherrschten wieder die Schlagzeilen, die Aktienindizes stiegen, und die Volatilitätsindizes setzten zum Rückzug an. Der sichere Hafen des Frankens wurde vorerst nicht mehr benötigt, der Euro erholte sich um 5 Prozent bis auf fast 1.40 Franken. Im August folgte jedoch erneut eine Bewegung in die andere Richtung bis auf das neue Rekordhoch.  

Neuer Aufwertungsschub in der Nacht auf Dienstag

Auf kürzere Sicht ist eine nachhaltige Fortsetzung der Franken-Abwertung überhaupt nicht garantiert. Denn in der Nacht auf den heutigen Dienstag folgte ein neuer starker Aufwertungsschub für den Franken. Im asiatischen Handel kostete ein Euro bloss noch 1.2921 Franken.

Verkaufsdruck für die Gemeinschaftswährung brachte die Sorge, das Bonitätsrisiko europäischer Staaten werde die Gesundheit der europäischen Banken belasten. Eine neue Schwäche des Bankensektors könnte die wirtschaftliche Erholung der Region ins Stocken bringen.

ZKB-Devisenhändler Andreas Küffer war bereits in einem Kommentar am Montag zurückhaltend und warnte vor einer nachhaltigen Euro-Erholung. «Ich wäre da eher vorsichtig und rechne damit, dass die Risikoaversion noch eine Weile anhalten wird.»

Ein Indiz dafür ist, dass die Stimmung an den Aktienmärkten trüb bleibt und dass der September generell als unterdurchschnittlicher Aktienmonat gilt. Sollten aber die Aktienmärkte und die Risikobereitschaft der Anleger - wie in der zweiten Hälfte der letzten Woche - steigen, könnte sich der Franken durchaus abwerten. 

«Unwahrscheinlich, dass die SNB interveniert hat»

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird bei einer langsamen Aufwertung des Frankens die Finger von den Devisenmärkten lassen. Dass sie hinter der temporären Abwertung der Schweizer Währung der letzten Tage steckte, ist wenig plausibel.

«Es ist unwahrscheinlich, dass die SNB seit Juni interveniert hat», sagt auch Marcus Hettinger, Devisenexperte bei der Credit Suisse. Vielmehr schien die Überbewertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro bei rund 1.30 Franken allmählich überzogen.

Zwar hat die SNB während der Krise massiv am Devisenmarkt interveniert und ihre Devisenreserven damit vervierfacht. Seit Juni hat die Nationalbank dieser Interventionsstrategie jedoch abgeschworen; Die SNB-Devisenreserven sind von 219,5 Milliarden Franken im Juli auf 218,1 Milliarden Franken im August zurückgefallen.

Schon seit einiger Zeit sind sich Marktbeobachter fast einig darüber, dass der Franken über Monate oder gar für immer seine Stärke gegen den Euro behalten wird. Felix Zulauf, Eigentümer von Zulauf Asset Management und Mitglied des renommierten Roundtable der US-Börsenzeitschrift «Barron’s», sagte kürzlich, «über 1.40 pro Franken werden wir den Euro für lange, möglicherweise für immer nicht mehr sehen». Und Mansoor Mohi-uddin, Chef-Währungsstratege der UBS, kann sich durchaus vorstellen, dass die Frankenstärke ein ganzes Jahrzehnt andauert.