Da sich die Gewinne seiner Bergbausparte in Luft auflösen, schoss der Ergebnisbeitrag des Handelsgeschäfts in der ersten Jahreshälfte 2015 auf beispiellose 76 Prozent hoch. Anhaltende Verluste im Bergbau bedeuten, dass sich der Prozentanteil wahrscheinlich noch weiter erhöhen wird, wenn der stark verschuldete Rohstoffkonzern in dieser Woche seine Bilanz vorlegt.

Die Anleger hoffen, dass sich Glasenbergs dreissigjährige Expertise im Rohstoffhandel auszahlen wird, während Glencore damit ringt, eine 30 Mrd. Dollar schwere Schuldenlast abzubauen. Die Kurserholung um 42 Prozent seit Jahresbeginn legt zwar nahe, dass der im September angekündigte Entschuldungsplan in die richtige Richtung geht. Doch die Herausforderungen durch den Einbruch bei Rohmaterialien und Chinas Wachstumsabkühlung sind noch lange nicht ausgestanden.

"Den industriellen Bereichen wird es in einem Umfeld niedriger Rohstoffpreise schwer fallen, grandiose Umsätze zu generieren", sagte Clive Burstow, Portfoliomanager bei Baring Asset Management in London im Telefoninterview. "Doch hier kommt das Handelsgeschäft ins Spiel. Wenn es das liefert, was es ihrer Aussage nach liefern kann, dann wird es interessanter", fügte Burstow an, der nach dem Kurseinbruch um 70 Prozent im vergangenen Jahr jüngst wieder Glencore-Anteile gekauft hatte.

Ein Sprecher des Unternehmens lehnte eine Stellungnahme ab.

"Sie machen das, was sie machen müssen"

Der Kursverfall im vergangenen Jahr liess Glasenberg ein Programm auflegen, mit dem die Kreditverbindlichkeiten bis zum Ende dieses Jahres von 30 Mrd. Dollar auf 18 Mrd. Dollar gesenkt werden. Dadurch soll die Bonitätsnote des Unternehmens im Qualitätsbereich "Investment Grade" gehalten werden. Er strich auch die Dividende, begab neue Aktien im Volumen von 2,5 Mrd. Dollar und verkauft Vermögenswerte, darunter einen Anteil an seinem Agrargeschäft.

"Sie machen genau das, was sie machen müssen", sagte David Herro, Investmentchef von Harris Associates aus Chicago telefonisch gegenüber Bloomberg. Harris ist nun der zweitgrösste Aktionär, nachdem er die Beteiligung auf 8,5 Prozent ausgebaut und somit Glasenbergs Anteil von 8,4 Prozent übertroffen hatte.

Glencore hebt sich mit seinem Handelsgeschäft, das in der Schweizer Gemeinde Baar angesiedelt ist, von den Wettbewerbern ab, die sich fast ausschliesslich auf die Förderung von Mineralien und Energieträgern stützen. Die Handelssparte des Rohstoffkonzerns ist die grösste und vielfältigste der Welt mit mehr als 90 Rohstoffen - darunter Weizen, Kupfer, Zucker, Öl und Kohle. Seine Wurzeln gehen auf Marc Rich & Co. zurück, die in den 1970er Jahren von Marc Rich gegründet wurde, einem ehemaligen US-Justizflüchtling.

Glasenbergs Werdegang

Glasenberg fing in den 80er Jahren bei dem Unternehmen in der Kohle-Abteilung an und stieg 1991 zum Leiter des Bereichs auf, nach Stationen in Hongkong, Schanghai und Australien. Er spielte nach dem Management-Buyout von Rich im Jahr 1994 eine entscheidende Rolle beim Strategiewechsel, im Zuge dessen das Schweizer Unternehmen die industriellen Aktivitäten ausbaute, um den Handelsarm zu ergänzen. Die 29 Mrd. Dollar schwere Übernahme von Xstrata Plc im Jahr 2013 per Aktientausch brachte neue Gruben von Peru bis Neukaledonien mit sich.

"Marketing ist das, was Glencore am besten macht, und der Ertragsstrom hat sich als solider und als weitaus weniger zyklisch erwiesen als der Bergbau", schrieben Analysten von Credit Suisse Group AG um Liam Fitzpatrick, die die Aktie zum Kauf empfehlen, am 25. Februar in einem Bericht.

Glencore rühmt sich üblicherweise, dass der Handelsbereich Geld einbringen kann, ob die Rohstoffpreise nun hoch oder niedrig sind. Doch die Gewinne der Handelsabteilung sind notorisch schwierig einzuschätzen. Es ist die einzige Zahl, für die das Unternehmen vor der Bilanzvorlage eine Prognose abgibt.

Dominanz des Handels

"Es ist ein Geschäft, das weniger transparent ist", sagte Bergbau-Analyst Marc Elliott von Investec Plc in London, der die Aktie zum Verkauf empfiehlt, im Telefoninterview. "Theoretisch sollte das Unternehmen überwiegend industriell sein. Jetzt ist der Handel ziemlich vorherrschend, was ihnen Schutz gewährt."

Im Dezember hatte Glencore eine konkrete Schätzung von 2,5 Mrd. Dollar für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern des Bereichs im Gesamtjahr abgegeben. Diese Prognose liegt ausserhalb der langfristig anvisierten Spanne von 2,7 Mrd. Dollar bis 3,7 Mrd. Dollar. Citigroup Inc. erwartet 2,56 Mrd. Dollar von der Abteilung im Jahr 2015, während der industrielle Bereich schätzungsweise einen bereinigten Verlust vor Zinsen und Steuern von 124 Mio. Dollar erlitten haben dürfte.

"Selbst bei diesen schwachen Rohstoffpreisen war das Marketing dieses Jahr nicht allzu schlecht", hatte Glasenberg damals Investoren und Analysten gesagt. "Wir verzeichnen ein sehr gutes Jahr im Ölhandel, auch wenn die Ölpreise niedrig sind. Es kommt einfach auf die Raffineriemargen und die Arbitragemöglichkeiten da draussen an. Es hängt also nicht nur von den Rohstoffpreisen ab."

Noble Group, der grösste Rohstoffhändler Asiens, hatte vergangene Woche seinen ersten Jahresverlust seit fast zwei Jahrzehnten ausgewiesen. Sein Geschäftsbereich Bergbau und Metalle rutschte in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 229 Mio. Dollar, nach einem Gewinn von 282 Mio. Dollar im Jahr 2014.

Glencore hatte im Dezember signalisiert, dass die Handelsbedingungen 2016 schwierig bleiben dürften und senkte den Ausblick auf 2,4 Mrd. Dollar bis 2,7 Mrd. Dollar. Vor diesem Hintergrund ist es für Glasenberg um so wichtiger, die Kosten zu drosseln, Vermögenswerte zu verkaufen und mit dem Schuldenabbau voranzukommen.

Anleger glauben an Glencore

"Die Anleger schenken dem positiven Nachrichtenfluss Glauben, der von Glencore kommt", erklärte Burstow von Baring. "Jetzt geht es um den nächsten Schritt in der Kommunikation. Es muss bei der Zahlenvorlage eine klare Botschaft geben, wie sie sich vorstellen, dieses Geschäft in einem Umfeld niedriger, aber stabiler Rohstoffpreise zu führen."

Glencore hat die Veröffentlichung der Jahresergebnisse 2015 für den 1. März angesetzt. Der bereinigte Nettogewinn dürfte um 72 Prozent auf 1,2 Mrd. Dollar fallen, ergab der Durchschnitt aus 16 Analystenschätzungen im Rahmen einer Umfrage von Bloomberg.

(Bloomberg)