Wenn das Volumen der an den US-Börsen gehandelten Aktien das Niveau vom dritten Quartal 2009 erreichen soll, müsste der tägliche Handelsumsatz für den Rest des Monats bei durchschnittlich 20,6 Milliarden Aktien liegen. Ein solches Handelsvolumen hat es an keinem einzigen Tag der letzten drei Jahre gegeben.

Der Anleihehandel müsste ebenfalls anziehen, da der Handel mit Unternehmensanleihen im Juli und August acht Prozent niedriger war als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie aus den Daten des Bondkurssystems Trace hervorgeht. Angesichts der beunruhigenden Konjunkturdaten sowie der Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise und die weltweite Konjunkturerholung haben die Anleger sich von den Märkten ferngehalten, sagen Analysten.

Beratungsgeschäft bringt nicht viel ein

Infolgedessen dürften die fünf grössten Wall Street-Banken aus Investmentbanking und Handel auf die niedrigsten Erlöse seit dem vierten Quartal 2008 kommen. Damals schlossen sie, zusammen genommen, mit einem Verlust 3,35 Milliarden Dollar ab. «Die Aktivität dürfte in den letzten drei Septemberwochen sehr viel besser als im Juli und August sein, aber sie müsste schon außergewöhnlich gut sein, um das dritte Quartal zu retten», sagt Jeff Harte, Analyst bei Sandler O’Neill & Partners LP.

Auch das Beratungsgeschäft dürfte den fünf Häusern - Goldman Sachs, JPMorgan, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley - nicht viel Entlastung bringen. Zwar ist der Dollar-Wert der abgeschlossenen Fusionen und Übernahmen in den ersten zwei Monaten des Quartals gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht gestiegen, jedoch sind die Volumina für Anleihe- und Aktien-Underwriting gesunken.

Und der Handel stellt an der Wall Street mittlerweile das Investmentbankengeschäft in den Schatten. Die fünf Banken haben mit dem Handel im ersten Halbjahr fünfmal so hohe Erlöse erzielt wie mit M&A-Beratung und Konsortialführung.

Handelsvolumen liegen deutlich tiefer

Im dritten Quartal haben Aktieninvestoren bisher im Schnitt täglich 14,2 Milliarden Aktien an den US-Börsen gehandelt. Das ist der schlechteste Quartalsstart seit den ersten drei Monaten 2009, als der Standard & Poor’s 500 Index auf den tiefsten Wert seit fast 13 Jahren fiel. Das Volumen liegt auch 25 Prozent unter dem Wert für das dritte Quartal 2009.

Zudem ist das Handelsvolumen von US-Aktienoptionen in den letzten drei Monaten jeweils gefallen. Im Juli und August ist das durchschnittliche tägliche Dollar-Handelsvolumen von US-Treasuries um 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken, wie aus Daten vom Interbanken-Broker ICAP hervorgeht.

Nur Fusionen und Übernahmen laufen

«Die grossen Investmentbanken sind sehr abhängig von hohen Transaktionsvolumina. Daher ist es unausweichlich, dass der Rückgang sich auf ihren Gewinn auswirkt», erläutert William Fitzpatrick, Analyst bei Optique Capital Management. In einer Bloomberg-Umfrage haben Analysten seit Anfang August ihre durchschnittliche Ertragsschätzung für das dritte Quartal bei den fünf Banken um insgesamt 994 Millionen Dollar gesenkt. Sie rechnen nun mit 90,9 Milliarden Dollar, nach zuvor 91,9 Milliarden Dollar.

Zuversichtlich für die künftige Quartalsentwicklung stimmt hingegen ein Anziehen der Fusionen und Übernahmen. Im Juli und August haben Unternehmen Transaktionen im Volumen von 404,5 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Das ist doppelt soviel wie die 195,2 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

«Wenn der M&A-Markt so anzieht wie ich erwarte, dürften Fusionen und Übernahmen auch dem Handel Impulse geben», erklärte Richard Bove, Analyst bei Rochdale Securities in Florida, am 23. August in einem Interview gegenüber Bloomberg Television. «Die Erholung beim Handel wird aber nicht dramatisch sein und nicht über Nacht passieren.»

Volcker-Vorschrift wird Banken hemmen

Auf den Ertrag in zukünftigen Quartalen dürften auch Entscheidungen der Banken drücken, ihren Eigenhandel auszugliedern, zu verkaufen oder zu schließen. Damit kommen sie der Volcker-Vorschrift nach, die im Juli im Rahmen der Neuordnung der Finanzaufsicht verabschiedet wurde.
Unterrichteten Kreisen zufolge planen Goldman Sachs und JPMorgan, ihren Eigenhandelsbereich zu schließen.

Die niedrigen Handelsvolumina dürften bei einigen Banken, beispielsweise Bank of America Merrill Lynch und Morgan Stanley Smith Barney, auch Auswirkungen auf das Brokergeschäft mit Privatkunden haben. Morgan Stanley hat die Rentabilitätsziele für den Brokerbereich im Juli nach unten korrigiert, da durch den Markteinbruch vom 6. Mai Kleinanleger abgeschreckt wurden. «Das Privatkundengeschäft ist absolut flau, es geht nichts dort», berichtet Hintz von Sanford Bernstein.

(Bloomberg)