Zudem hält die Bank of England weitere geldpolitische Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung auf der Insel für nötig. Britische Staatsanleihen weisen für dieses Jahr einen Ertrag von 10,8 Prozent auf, gegenüber 7,8 Prozent für Bundesanleihen und 6,1 Prozent für Frankreich-Bonds. Das geht aus Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) hervor.
Die stärksten Volkswirtschaften der Euro-Region belaste die mögliche Verpflichtung aus den “enormen Beträgen” der Garantien, die sie im Rahmen der Rettungsmaßnahmen übernommen haben, sagt Jamie Stuttard, Anleihefondsmanager bei Fidelity Investments in London.
“Aufgrund der Bewertungen und wegen der Eventualverbindlichkeiten ist Großbritannien relativ gesehen interessanter”, sagt Stuttard. Großbritannien könne über sein Schicksal weitgehend selbst entscheiden, während die Euro-Region einige wichtige Fragen im Hinblick auf ihre künftige Richtung klären müsse, führt er aus.
Die zehnjährigen britischen Renditen liegen nicht weiter als 20 Basispunkte von einem Allzeittief emtfernt. Investoren schätzen die britischen Staatspapiere als sicheren Hafen vor den Risiken des europäischen Festlands.
Nicht von der EFSF-Aufstockung betroffen
Zudem verlangsamen die Sparmaßnahmen der britischen Regierung das Wirtschaftswachstum. Nachdem der deutsche Bundestag die Ausweitung der Befugnisse des Euro-Rettungsschirms EFSF gebilligt hat, erhöht sich der deutsche Beitrag zum EFSF auf 211 Mrd. Euro, zuvor waren es 123 Mrd. Euro. Großbritannien, das zur Rettung Irlands durch bilaterale Kreditvereinbarungen beigetragen hat, ist von der Aufstockung des EFSF nicht betroffen.
Premierminister David Cameron ist fest zum Abbau des britischen Haushaltsdefizits entschlossen seit er an der Spitze der Koalition mit den Liberaldemokraten steht. Die zehnjährigen britischen Renditen sind seit den Wahlen am 6. Mai 2010 um 143 Basispunkte gefallen auf zuletzt 2,25 Prozent. Zum Vergleich: Frankreich-Bonds mit zehnjähriger Laufzeit rentierten am Dienstag bei 2,53 Prozent, Bundesanleihen bei 1,73 Prozent. Bei den italienischen Staatspapieren stieg die Rendite in dem Zeitraum um 123 Basispunkte auf den Rekordwert von 6,4 Prozent am 5. August.
Bei längeren Laufzeiten sind Gilts nicht mehr spitze
John Wraith, Stratege für Festverzinsliche bei Bank of America Merrill Lynch Global Research in London, erwartet, dass die Bank von England über Bondankäufe ihre Geldpolitik weiter lockert. Großbritannien muss harte haushaltspolitische Einschnitte verkraften und der Internationale Währungsfonds IWF hat seine Prognose für das Wachstum 2011 kürzlich von 1,5 Prozent auf 1,1 Prozent zurückgeschraubt und für 2012 von 2,3 Prozent auf 1,6 Prozent. Auch die Ökonomen von JPMorgan Chase & Co., RBC Capital Markets and Citigroup Inc. erwarten, dass die britischen Notenbank mehr Anleihen ankaufen wird. Beginnen werde sie damit wohl im vierten Quartal.
Britische Schatzpapiere mit einer Laufzeit von einem Jahr oder mehr haben die entsprechenden Bundesanleihen geschlagen, Doch bei Laufzeiten von zehn Jahren und länger sieht es anders aus. Während sich in diesem Laufzeitenbereich nach Indexdaten von Merrill Lynch & Co. im dritten Quartal ein Ertrag von 17 Prozent für Bundesanleihen und von 24 Prozent für Treasuries ergibt, kommen Gilts nur auf 13,9 Prozent. Bei Laufzeiten von 15 Jahren und länger zeigen britische Papiere im dritten Quartal einen Ertrag von 14 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent bei Treasuries.
"Gilts sind kein gutes Investment"
“Die Gilts haben eine Kursrally hingelegt, obwohl die Investoren ihr Geld wegen der Inflation im Verlauf der Zeit vernichten”, sagt Patrick Armstrong, Managing Partner bei Armstrong Investment in London. “Die realen Renditen sind negativ, daher sind Gilts kein gutes Investment. Es ist fast sicher, dass ein Investor Geld verlieren wird”, fügt er an.
Die britische Inflation betrug im August 4,5 Prozent, das liegt um mehr als das Doppelte über dem 2-Prozent-Ziel der Bank von England. “Es gibt eindeutig einen Grund, weshalb die Investoren am langen Ende der Renditekurve einen höheren Aufschlag fordern”, sagt Michael Brandes, weltweiter Leiter Strategie Festverzinsliche bei Citi Private Bank, einer Sparte von Citigroup Inc. Er schaue sich jedoch die britischen Fundamentaldaten an und den Kollateralschaden, der außerhalb der britischen Staatsgrenzen entstehe. Dann gelange er zu dem Schluss, dass im Vergleich zu Bundesanleihen und US-Treasuries das lange Ende der Gilt-Renditekurve sich in den kommenden Monaten sehr gut entwickeln werde.
(Bloomberg)
