Dennoch rechnen sie nicht unbedingt mit Umweltkatastrophen. Viel eher gehen sie von Bedrohungen im Zuge der Flüchtlingskrise aus.

Generell scheint das Leben in den Augen der Experten riskanter geworden zu sein. Noch nie in den elf Jahren, in denen die Studie zu den globalen Risiken erstellt wird, sei die Risikolandschaft so breit gefächert gewesen, heisst es in der Mitteilung zum Global Risk Report 2016 vom Donnerstag. Die Studie wird traditionell vor Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos publiziert.

Bei allen Risiken - ob umweltbezogen, gesellschaftlich, wirtschaftlich, geopolitisch oder technologisch - ist die Eintrittwahrscheinlichkeit demnach gestiegen. Die Risiken sind auch stärker miteinander verknüpft als früher.

Eine besondere Bedeutung in der Risikolandschaft spielen 2016 die Umweltrisiken. "Der Klimawandel verschärft mehr Risiken als jemals zuvor", wird Cecilia Reyes, Risiko-Managerin beim Versicherungskonzern Zurich in der Mitteilung zitiert. Als Beispiele nennt sie Wasser- und Nahrungsmittelknappheit, eingeschränktes Wirtschaftswachstum, schwächerer gesellschaftlicher Zusammenhalt und zunehmende Sicherheitsrisiken. Politische Konflikte erschwerten es, die Herausforderungen des Klimawandels zu bewältigen.

Wie im kalten Krieg

Für die Studie werden 750 Fachleute befragt. Sie schätzen das Versagen der Klimapolitik zwar als folgenschwerstes Risiko ein, gefolgt vom Schadenpotenzial durch Massenvernichtungswaffen, Wasserkrisen, unfreiwillige Migrationsströme und Energiepreisschocks.

Doch bei der Eintrittswahrscheinlichkeit belegt die gescheiterte Umweltpolitik nur Rang drei. Als am wahrscheinlichsten rechnen die Experten mit Gefahren, welche durch die "unfreiwilligen Migrationsströme", also durch die Flüchtlingskrise, ausgehen. Die politische Instabilität sei so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr, heisst es in der Mitteilung.

Ein sogenannter "Black Swan" (schwarzer Schwan), also ein unerwartetes Ereignis mit weitreichenden Konsequenzen" könnte bei technologischen Risiken auftreten. Unter Führungskräften in der Schweiz sowie weiteren sieben Ländern gelten Cyberangriffe sogar als gravierendstes Risiko für die die Geschäftstätigkeit.

(AWP)