"Vier von fünf Unternehmensführern in Grossbritannien und Deutschland sprechen sich klar gegen ein Ausscheiden des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union aus", heisst es in einer am Montag veröffentlichten Unternehmerbefragung der Bertelsmann Stiftung. Die meisten der Befragten rechneten mit negative Folgen eines Brexits auf die Arbeitsmärkte, die Umsätze und die Investitionen der eigenen Branchen und in ihren Unternehmen. Diese Befürchtungen gelten der Stiftung zufolge für beide Länder branchenübergreifend.

Insgesamt wünschen sich der Umfrage zufolge 79 Prozent der befragten Unternehmer, Geschäftsführer und leitenden Angestellten, dass Grossbritannien EU-Mitglied bleibt. In Deutschland sind es mit 83 Prozent noch deutlich mehr als im Vereinigten Königreich, wo 76 Prozent der Firmenchefs für einen Verbleib in der Union eintraten. Mit über 80 Prozent ist der Anteil der EU-freundlichen Vertreter aus Industrie, Technologie- und Kommunikationsfirmen, Einzelhandel und Konsumgütergewerbe in Grossbritannien besonders hoch. "Dieses eindeutige Ergebnis überrascht, denn für die Befragung wurde bei einem Brexit von einem 'Best Case Scenario' für die Briten ausgegangen", heisst es in einer Mitteilung der Bertelsmann Stiftung.

Einbussen auch bei Teilausstieg

Selbst bei einem Teilausstieg des Landes aus der EU befürchten die befragten Unternehmen grosse wirtschaftliche Einbussen. Würde Grossbritannien die EU verlassen, würde fast jedes dritte der befragten Unternehmen seine Kapazitäten in dem Land reduzieren oder ganz in andere Länder verlagern. "Am Vorabend der Verhandlungen sagen uns die Wirtschaftslenker auf beiden Seiten des Ärmelkanals: Im Falle eines Brexit haben wir alle viel zu verlieren", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus.

Die Staats- und Regierungschefs der EU beraten am Donnerstag in Brüssel über das von EU-Ratspräsident Donald Tusk vorgelegte Reformpaket, mit dem die EU dem britischen Premierminister David Cameron helfen will, das angekündigte Referendum über den Verbleib Grossbritanniens in der EU zu gewinnen. Vorgesehen ist unter anderem eine "Notbremse", mit der Grossbritannien Sozialleistungen für neu zuziehende EU-Bürger für vier Jahre aussetzen kann.

(Reuters)