Die Meldung kommt einerseits überraschend: Nach bloss eineinhalb Jahren Amtszeit muss CEO Brice Koch bei OC Oerlikon per sofort gehen. Er wird ersetzt durch Roland Fischer, der zuletzt als CEO der "Power and Gas"-Division von Siemens tätig war. Bei Oerlikon, so wurde heute ebenfalls bekannt, treten zudem nicht weniger als drei Verwaltungsräte aus dem Gremium aus.

Auf den zweiten Blick kommt die Rochade bei Oerlikon nicht überraschend. Sie verstärkt den Eindruck, dass der russische Grossinvestor Viktor Vekselberg, der via seine Beteiligungsgesellschaft Renova 43 Prozent an Oerlikon kontrolliert, bei all seinen darbenden Schweizer Investments (neben Oerlikon auch Züblin, Schmolz + Bickenbach und Sulzer) langsam die Geduld verliert. 

Denn es rumpelt gewaltig in Vekselbergs Schweizer Reich: Die "Schweiz am Sonntag" hatte am Wochenende bereits berichtet, dass Vekselberg wichtigen Top-Managern bei Renova offenbar das Vertrauen entzogen hat. CEO Peter Löscher wurde laut dem Bericht entmachtet, der Finanzchef, der Rechtsdienstchef sowie der Kommunikationschef sind abgesetzt worden.

Und wie bei Oerlikon verlor Vekselberg schon bei Sulzer die Geduld mit der operativen Leitung. Seit vergangenen Dezember ist CEO Greg Poux-Guillaume verantwortlich für die Geschicke des Konzerns. Er ersetzte Klaus Stahlmann, der 2012 mit der Vorgabe angetreten war, den Sulzer-Umsatz innert fünf Jahren zu verdoppeln. Stahlmann erreichte dies nicht annähernd. 

Kommt bei den Schweizer Renova-Beteiligungen mit den CEO-Wechseln nun alles gut? Zweifel sind angebracht. Denn Ungeduld und Aktivismus mit Blick auf Börsenkurse sind schlechte Ratgeber und kaschieren oft den wahren Grund für die Malaise. Die Aktie von Oerlikon fällt am Dienstag nach Bekanntgabe des CEO-Wechsels an der SIX um über 5 Prozent. Die Investoren sind wegen des neuerlichen Chef-Wechsels verunsichert. Der Kursrückgang wirkt fast schon symbolisch für das latente Investorenmisstrauen, das sich über Vekselbergs kotierte Schweizer Gesellschaften gelegt hat.

Die Gründe für die Renova-Misere in der Schweiz liegen tief: Sulzer leidet wie Schmolz + Bickenbach unter den gefallenen Rohstoffpreisen. Und daran kann auch ein neuer Chef nichts ändern. Oerlikon (die frühere Unaxis) ist eine strategische Endlos-Baustelle - ein Job, den ein Verwaltungsrat und ein Grossaktionär zu erledigen hat. Die Wertentwicklung der Immobiliengesellschaft Züblin, deren Aktie mittlerweile zwischen 4 und 5 Rappen schwankt, gleicht einer Tragikomödie.

Vekselberg muss sich eingestehen, dass er bei seinen Schweizer Investments zu stark auf Firmen gesetzt hat, die von der Rohstoffpreisentwicklung abhängig sind. Und dass er andererseits zu stark und womöglich zu fest auf mögliche Know-How-Transfers dieser Schweizer Firmen nach Russland gehofft hatte. Dies mit teils unrealistischen operativen Zielvorgaben für die Unternehmen.

Renova, welche immer den langfristigen Charakter ihrer Anlagen betont, schliesst neuerdings einen Verkauf oder eine Fusion von Sulzer nicht mehr explizit aus. Es wäre das Eingeständnis einer Fehlinvestition.