Es ist schon seit Jahren ein offenes Geheimnis in der Branche: Orange will Sunrise übernehmen. Orange-Mutter France Télécom hat bereits 2008 für die TDC-Tochter geboten, weiss «cash» aus zuverlässigen Quellen. Weil der Betrag zu niedrig war, kam der Deal nicht zustande.
Nun kommt neue Bewegung in den Bieter-Prozess. Zwar verhandle man im Moment nicht mehr mit Sunrise, sagt France-Telecom-Finanzchef Gervais Pellissier in einem Interview mit Reuters. Und setzt hinzu: «Es ist wahr, dass wir im Schweizer Markt irgendwann eine andere Richtung einschlagen müssen».
Sunrise ist «heisses Ziel»
Bereits diesen Januar soll es bei France Télécom deswegen rote Köpfe gegeben haben. Der Grund: Sunrise und T-Systems hatte eine weitreichende Zusammenarbeit vereinbart. T-Systems ist im Besitz der Deutschen Telekom, die ebenfalls um Sunrise wirbt.
Übernahme-Gurus sehen Sunrise bereits als «heisses Ziel» im laufenden Jahr. Weder Sunrise noch France Télécom wollten bisher zu «den Gerüchten» Stellung beziehen. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen jedoch verschiedene Branchen-Vertreter, dass der Kauf von Sunrise durch Orange «wahrscheinlich» sei. Offen ist einzig der Zeitpunkt. Der Kaufpreis liegt bei maximal 3 bis 4 Milliarden Euro, also dem fünf- bis achtfachen Betriebsergebnis (Ebitda).
Auf dieses Szenario weist auch Pellissiers andere Aussage zu Orange und Sunrise hin: «Diese zwei kleinen Player bekämpfen sich mehr oder weniger gegenseitig, anstatt den Grossen zu attackieren.»
Kaum politische Hürden
Auf Zeit zu spielen würde für Orange ein grosses Risiko bergen. Die Akquisition von Sunrise durch den Konkurrenten Deutsche Telekom. Dies will man in Paris unter allen Umständen verhindern.
Hohe politische Hürden in der Schweiz hätte Orange beim Zukauf kaum zu befürchten. Zwar müssten die Kommunikations-Kommission und die Wettbewerbskommission den Zusammenschluss prüfen. Da es jedoch kaum eine bessere Möglichkeit gibt, um den Wettbewerb hierzulande anzuheizen, dürfte der Widerstand gering ausfallen.
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