Banken beobachten derzeit mit Argwohn, wie gerade reiche Kunden mit so genannten Roboter-Beratern flirten. Und das ist einer der Gründe dafür, dass sie mit Hochgeschwindigkeit in diesem Jahr an ihren eigenen Versionen der automatisierten Investment-Ratschläge arbeiten, sagen Beobachter.

Die Generation Y und kleinere Investoren seien längst nicht die einzigen, die Robo-Berater nutzten, sagt Kendra Thompson, Managing Director bei Accenture. Vorreiter in diesem Bereich seien Anbieter wie Wealthfront und Betterment. Hinzu kämen Dienste, die von Investmentfonds-Giganten angeboten werden würden. Bei Schwab Corp. verfügen rund 15 Prozent der Kunden mit automatisierten Portfolios über ein Vermögen von mindestens einer Mio. Dollar beim Unternehmen.

"Da wird echtes Geld bewegt", sagt Thompson in einem Interview mit Bloomberg. "Es sind Experimente von Leuten mit viel grösseren Portfolios zu beobachten – bei denen sie einen Teil ihres Geldes in diese Angebot stecken, um sie auszuprobieren."

Traditionelle Broker wie Morgan Stanley, Bank of America und Wells Fargo stehen zunehmend unter Druck, die von ihnen erhobenen Gebühren zu rechtfertigen, während die Billig-Alternativen an Akzeptanz gewinnen.

Eins und eins zusammenzählen

Die Banken, die zusammen rund 46'000 menschliche Berater beschäftigen, werden Thompson zufolge auf den Trend mit Werkzeugen für ihre Mitarbeiter reagieren, die auf künstlicher Intelligenz basieren. Hinzu kämen wohl "Selbstbedienungs"- Optionen für Kunden.

"Jetzt beginnen sie, den Fluss des Geldes zu erkennen. Und es wird nicht lange dauern, bis sie eins und eins zusammenzählen. Sie werden erkennen, dass das, was sie gegen Gebühren liefern, besser sein muss als jene Angebote, die fast nichts kosten", meint Thompson. Technologie werde Berater klüger, stärker und stets aktueller erscheinen lassen.

Robo-Berater, bei denen auf Grundlage von Computerprogrammen online Investment-Ratschläge gegeben werden, verlangen in aller Regel weniger als die Hälfte als traditionelle Broker. Letztere stellen mindestens ein Prozent des verwalteten Vermögens als Gebühr in Rechnung.

Kunden wollen eine Kombination

Die neueren Dienste werden stark zunehmen und bis zum Jahr 2020 bis zu 2,2 Billionen Dollar verwalten. Das geht aus einer Studie von A.T. Kearney hervor.

Von den 3,3 Mrd. Dollar an Vermögen bei Betterment kommt mehr als die Hälfte von Kunden mit über 100'000 Dollar bei der Firma, wie Sprecherin Arielle Sobel verrät. Wealthfront hat derweil mehr als sein Drittel seiner unterm Strich fast 3 Mrd. Dollar an verwalteten Vermögen auf Konten mit einer Mindestanlagesumme von 100'000 Dollar. Das sagt Sprecherin Kate Wauck.

Schwab – eine der ersten etablierten Firmen, die automatisierte Produkte anboten – konnte in diesem Bereich 5,3 Mrd. Dollar in den ersten neun Monaten anlocken, berichtet Sprecher Michael Cianfrocca.

Banken-Manager wie CEO James Gorman von Morgan Stanley und Finanzchef John Shrewsberry von Wells Fargo hatten bereits erklärt, dass sie Robo-Berater entwickeln müssen, um ihre Angebote zu vervollständigen.

Kunden wollen sowohl die neuesten Technologien als auch die Fähigkeit, mit einer echten Person zu sprechen – besonders in Zeiten volatiler Märkte wie gerade im Moment, meint Jay Welker, President der Privatbank von Wells Fargo, im Bloomberg-Gespräch. "Wir sehen Robos im Kontext von Angeboten für Familien, die mehrere Generationen umfassen."

(Bloomberg)