Schweizer Banken hatten per Ende September 2009 Guthaben in der Höhe von rund 69 Milliarden Franken bei griechischen Schuldnern ausstehend. Das geht aus dem Drittquartalsbericht der internationalen Bankenstatistik von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor.

Die Schweiz ist damit der zweitgrösste internationale Gläubiger von Griechenland (siehe Tabelle unten). Welche Institute mit welchem Risikopotenzial exponiert sind, kann die BIZ auf Anfrage nicht sagen.

Trotz des schiefen Finanzhaushalts von Griechenland stehen aber nicht die gesamthaften 69 Milliarden Franken auf dem Spiel. «Ich schätze den Betrag, der für Schweizer Banken in Griechenland wirklich 'at risk' ist, deutlich tiefer ein», sagt Manuel Ammann, Professor für Finance und Direktor am Bankeninstitut der Universität St. Gallen. Zudem sei die Ausfallwahrscheinlichkeit gering - auch wenn im Fall von Griechenland derzeit ein erhöhtes Risiko bestehe.

Bedrohungssituation «nicht dramatisch»

Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass Griechenland wirklich gegen die Wand fahren wird. Denn die Europäische Union muss dem Krisenland Beistand leisten, anderslautende öffentliche Beteurerung hin oder her. Es steht zuviel auf dem Spiel, unter anderem auch die europäische Einheitswährung. Laut Experten drohe bei einem Zahlungsausfall Griechenlands und ohne Unterstützung der EU eine Abwertung des Euro von bis zu 50 Prozent – und ein Szenario wie in Argentinien.

«Die EU würde wohl einen griechischen Staatsbankrott verhindern», sagt Ammann. Deshalb schätzt er die Bedrohungssituation für Schweizer Banken als nicht dramatisch ein. «Verschärfen könnte sich die Situation in Zukunft jedoch, wenn andere EU-Staaten betroffen wären», so Ammann.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist völlig andere Griechenland-Zahlen als die BIZ aus. Laut ihren Berechnungen belaufen sich die Schweizer Ausleihungen in Griechenland 2008 auf bloss 2,2 Milliarden Franken. «Die Zahlen der BIZ sind durch Sondereffekte aufgebläht und werden anders berechnet», sagt SNB-Sprecher Nicolas Haymoz zu cash.

Unterschied: On- und Off-shore

Die SNB kalkuliert lediglich mit den Off-shore-Verpflichtungen, also mit denjenigen Beträgen, die griechische Schuldner gegenüber Banken in der Schweiz haben. Die BIZ hingegen rechnet auch die lokalen Verpflichtungen an Schweizer Geldinstitute in Griechenland mit.

Für Sandro Merino, Leiter des UBS Wealth Management Research Europa, sind die BIZ-Zahlen nicht «sehr aussagekräftig». Verlässlicher sei die griechische Statistik, wonach deutsche, österreichische und Schweizer Gläubiger zusammen griechische Staatsanleihen im Umfang von 35 Milliarden Euro halten. «Das ist nicht sehr viel», so Merino letzte Woche im «St. Galler Tagblatt».

 

Die zehn Länder mit den grössten Bank-Ausleihungen in Griechenland

Land

Ausleihungen (in Mio. USD)

Frankreich

75'452

Schweiz

63'966

Deutschland

43'236

USA

16'411

Grossbritannien

12'342

Niederlande

11'849

Portugal

10'317

Irland

8'506

Japan

8'447

Italien

8'381

Quelle: Drittquartalsbericht internationale Bankenstatistik der BIZ