Denn die nächste Lockerungsrunde der Europäischen Zentralbank dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen, und sie könnte eine Trendwende bringen. SNB-Präsident Thomas Jordan wird sich in diesem Fall vielleicht gezwungen sehen, die Zinsen noch tiefer unter Null zu senken.

Vor knapp zwei Monaten, als die EZB mit ihren Lockerungsmaßnahmen die Erwartungen der Investoren enttäuschte, kamen die Schweizer ungeschoren davon: der Franken gab nach. In sechs Wochen, wenn der Rat der EZB zu seiner nächsten Zinsentscheidung zusammentritt, wird Mario Draghi, Jordans Amtskollege in Frankfurt, möglicherweise der Versuchung nachgeben, die Erwartungen zu übertreffen, um seine Glaubwürdigkeit zu stärken. 

"Draghi hat ziemlich deutlich gemacht, dass im März etwas kommen könnte", sagte David Marmet, Ökonom bei der Zürcher Kantonalbank. "Das dürfte die SNB unter Handlungsdruck setzen."

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Geldpolitik des Euroraums die SNB zu einer Reaktion zwingt, und ein aggressiveres Vorgehen der Frankfurter Notenbanker hätte das Potenzial, die Bemühungen der Schweizer um eine Schwächung des Franken zu untergraben. Die europäische Schuldenkrise veranlasste die SNB, mit Interventionen am Devisenmarkt gegen die Aufwertung des Franken vorzugehen - und schließlich 2011 einen Mindestkurs zum Euro einzuführen. Im Januar 2015, als sich die quantitative Lockerung der EZB abzeichnete, hob die SNB den Mindestkurs auf.

Bauchschmerzen für die Schweiz

Der EZB-Rat sieht sich Forderungen ausgesetzt, wieder aktiv zu werden, denn die fallenden Ölpreise entwerten die Prognosen der Notenbank für einen Anstieg der Inflation. Der Rat tritt am 10. März zusammen, nur eine Woche vor der nächsten Sitzung der SNB. Zins-Futures zeigen an, dass die Investoren von beiden Notenbanken eine Senkung der Einlagensätze erwarten.

"Sollte die Zinssenkung der EZB großzügig ausfallen, so würde das der Schweiz Bauchschmerzen bereiten, denn damit würde die Zinsdifferenz geschmälert", sagte Dominik Studer, Ökonom bei der UBS in Zürich. Eine weitere Senkung des Einlagensatzes der SNB - er steht derzeit bei minus 0,75 Prozent - wäre "nicht ohne Probleme", sagte er.

Seitdem sie den Mindestkurs aufgegeben hat, verfolgt die SNB eine Zwei-Säulen-Politik, bestehend aus einem negativen Einlagensatz sowie der Ankündigung, nötigenfalls an den Devisenmärkten zu intervenieren.

Doch beide Instrumente sind nur begrenzt wirksam: Die SBN kommt inzwischen auf eine Bilanzsummevon 635 Mrd. Franken, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der Schweiz entspricht. Eine Ausweitung der Bilanz über 120 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung hinaus würde die Glaubwürdigkeit der Notenbank beschädigen. Laut einer monatlichen Umfragevon Bloomberg unter Volkswirten käme die SNB darüber hinaus unter Druck von Seiten der Politik. Nach Auffassung der Umfrageteilnehmer ließe sich der Einlagensatz auf minus ein Prozent bzw. allerhöchstens minus 1,25 Prozent absenken.

Diesen letztgenannten Punkt sehen SNB-Vertreter ähnlich. Würde der Einlagensatz weit unter den derzeitigen Stand fallen, würden die Menschen dazu übergehen, Bargeld zu horten. Doch es ist keineswegs gesagt, dass Jordan wieder zu dramatischen Handlungen Zuflucht nehmen muss.

Erwartungen sind hoch

Der Frankenkurs reagierte kaum, als Draghi kürzlich zusätzliche Stimulierungsschritte für den März andeutete. Diese Woche fiel die eidgenössische Währung gar auf ihren niedrigsten Standseit der Aufhebung des Mindestkurses. Einige Analysten vermuten, dass die SNB verstärkt interveniert, um den Franken im Vorfeld einer etwaigen EZB-Ankündigung zu schwächen.

Nach der Enttäuschung, die die EZB im Dezember auslöste, "sind die Erwartungen so hoch, dass wir nicht wissen, ob eine weitere Lockerung den Euro nach unten ziehen wird", sagte Ipek Ozkardeskaya, Marktanalystin bei London Capital Group. Bislang hätten die Investoren es vorgezogen, ihr Geld in Yen, Gold oder hoch rentierenden Aktiva zu parken, sagte sie.

"Wir erwarten in einem Umfeld gestiegener Marktvolatilität keine großen Zuflüsse in den Schweizer Franken, denn die Investoren haben sich daran gewohnt, nicht instinktiv in den Franken zu gehen", sagte sie. "Für die SNB ist das eine gute Sache."

(Bloomberg)