Das Hilfspaket sieht Kredite im Volumen von 130 Milliarden Euro vor. Um trotz der inzwischen schlechteren Lage Griechenlands das Ziel eines Schuldenabbaus auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen, sollen die privaten Gläubiger dem Mittelmeer-Land mehr Schulden freiwillig erlassen.

Im Folgenden eine erste Einschätzung von Börsianern und Analysten zu dem Ergebnis der Verhandlungen:

KOMMENTAR DER METZLER BANK

"Auch wenn die politische Zusage weiterer Hilfen, der eine Verpflichtung der Athener Parteien auf strikte Sparmaßnahmen vorausging, nun als Lösung der Probleme gepriesen wird, ist unserer Einschätzung nach nichts wirklich Ermutigendes geschafft - die grundlegenden Schwierigkeiten bleiben erhalten. (...) Wir sehen vor allem auch die im April anstehende Wahl als hohen Risikofaktor. Sollte es zu einer weiteren Radikalisierung kommen und völlig neue Machtkonstellationen entstehen, ist eine Fortsetzung des eingeschlagenen Sparkurses mehr als unwahrscheinlich. Dann gleitet die Sache endgültig ab."

ANITA PALUCH, AKTIENHÄNDLERIN BEI GEKKO GLOBAL MARKETS

"Die Vermeidung einer unkontrollierten Staatspleite ist nicht das Ende des zurückzulegenden Weges. Das hochverschuldete Land braucht einen Wachstumsplan, und genau das scheint im Moment die größte Herausforderung zu sein. Denn ohne einen solchen Plan könnte die Unsicherheit wieder Oberhand gewinnen."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT

"Griechenland wird massiv entschuldet. Aber unsere Berechnungen zeigen, dass Griechenland selbst die deutlich gesenkten Schulden ohne die Umsetzung tiefgreifender Reformen langfristig kaum tragen kann. In der zweiten Jahreshälfte steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine frustrierte Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn zudreht."

DANIEL KUKALJ, ANALYST BEI CLOSE BROTHERS SEYDLER

"Trotz der Einigung auf das Rettungspaket ist extreme Vorsicht gefragt, denn die Euro-Krise ist alles andere als vorbei. Das Risiko ist, dass Griechenlands zerüttete Wirtschaft am Boden bleibt, wenn die Regierung die Reformen nicht in die Tat umsetzt. Es gibt noch viel zu tun."

CHRISTIAN SCHMIDT, ANALYST BEI DER HELABA

"Die Märkte haben die Beschlüsse der Eurogruppe mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen, obwohl unklar ist, ob nun die griechische Tragödie dauerhaft beendet ist. Entscheidend sind nicht die beschlossenen Reformmaßnahmen und die finanziellen Zusicherungen, sondern die Umsetzung der Reformen sowie eine zunehmende Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Eines ist in den letzten Wochen deutlich geworden: Die Geduld der Geberländer ist am Ende und das Vertrauen in die griechische Politik erschüttert. Sollte es Umsetzungsprobleme geben und die griechische Regierung Auflagen missachten, können die zugesicherten Hilfszahlungen gestoppt und eine Insolvenz des Staates nicht ausgeschlossen werden."

UWE STREICH, ANALYST BEI DER LBBW

"Ob die Rechnung aufgeht, wird sich allerdings erst Anfang März zeigen, wenn Griechenland den Banken und Fonds das formelle Umtauschangebot ihrer Anleihen gegen neue mit weit niedrigeren Zinsen unterbreitet."

JONATHAN SUDARIA, HÄNDLER BEI CAPITAL SPREADS

"Es sieht so aus, als ob die Märkte sehr vorsichtig auf die Einigung in Sachen Griechenland reagieren. Die Sorge bleibt, ob die griechische Regierung die Reformen tatsächlich umsetzt, wenn sie die Rettungsgelder erst einmal erhalten hat."

(Reuters)