Der Leitindex SMI war bereits mit deutlichen Aufschlägen in die neue Handelswoche gestartet, was Händler mit der guten Börsenstimmung in Asien und mit den anziehenden Rohölnotierungen erklärten. Gerade die Ölpreise würden derzeit als Konjunkturindikator sehr stark beachtet. Nachdem die Aktienmärkte in der Vorwoche eine starke Entwicklung hingelegt hatten, scheine wohl unter den Anlegern die Angst umzugehen, etwas zu verpassen, sagt ein Händler. Für ihn fehle derzeit allerdings noch ein wichtiges Detail für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung: positive Wachstumsüberraschungen. Und die am Vormittag veröffentlichten Makrozahlen aus der Euro-Zone seien dies jedenfalls nicht.

Die Unternehmensstimmung im Euro-Raum hat sich im Februar nämlich weiter eingetrübt und sogar etwas stärker als von Ökonomen erwartet. Damit dürfte der Druck auf EZB-Chef Mario Draghi nicht kleiner geworden sein, was im Gegenzug die Anleger auf weitere geldpolitische Massnahmen hoffen lässt. Im weiteren Tagesverlauf könnten gewichtige US-Makrozahlen (PMI- und CFNA-Index) frischen Wind bringen. Die Sorgen um ein Abgleiten der US-Wirtschaft in eine Rezession hätten zuletzt spürbar abgenommen, was ein Grund für die Erholungsbewegung an den Aktienmärkten sei.

Der SMI gewinnt gegen Mittag 1,6% auf 7987 Punkte. Das bisherige Tageshoch ist nur knapp 10 Zähler entfernt. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, legt 1,6% auf 1206 zu und der breite SPI 1,5% auf 8313 Punkte. Die 30 SMI/SLI-Titel stehen allesamt im Plus, wobei die Spanne von +2,7% (Clariant) bis +0,3% (Sika, Syngenta) reicht.

Stark gefragte Zykliker

Die Top-5-Werte sind den Zyklikern und Finanztiteln zuzuordnen. Zurzeit haben Clariant mit +2,7% die Nase vorn. In der Vorwoche gehörten die Titel allerdings zu den schwächsten Werten, dies insbesondere aufgrund einer enttäuschend aufgenommenen Zahlenvorlage am vergangenen Mittwoch. Die Titel des Offshore-Erdölbohrers Transocean (+2,5%) dürften Rückenwind von den Ölpreisen erhalten. Auch Adecco (+1,7%) sind gesucht. Die Aktien des Personalvermittlers werden wohl von den besser als erwartet ausgefallen Makrodaten aus Frankreich gestützt werden. Das Land ist bekanntlich ein wichtiger Markt für Adecco.

Bei den Finanzwerten legen UBS und Swiss Re (je +2,4%) am stärksten zu. Swiss Re wird am morgigen Dienstag mit der Zahlenvorlage für das vergangene Geschäftsjahr im Fokus stehen. Die Grossbank UBS hatte vor dem Wochenende in Puerto Rico mit einem Schiedsgericht einen Vergleich abgeschlossen, der die Bank zu einer Zahlung von 1,45 Millionen Dollar verpflichtet.

Ganz vorne mit dabei sind auch die defensiven Swisscom mit +2,2%, die sich seit Jahresbeginn deutlich besser geschlagen haben als der Gesamtmarkt.

Nestlé als Bremsklotz

Insbesondere die beiden Indexschwergewichte Novartis und Roche (je +1,9%) schieben den Markt erneut an, nachdem sie bereits in der Vorwoche überdurchschnittlich gesucht waren.

Das dritte Schwergewichte Nestlé (+1,1%) bremst den Markt hingegen etwas aus. Hier dürfte eine Rating-Senkung aus dem Hause Credit Suisse auf "Underperfom" im Nachgang der insgesamt enttäuschenden Zahlenvorlage in der Vorwoche belasten. Die Wahrscheinlichkeit für weitere Enttäuschungen schätze er zur Zeit grösser ein als für positive Überraschungen, heisst es in der Begründung.

Unterdurchschnittlich entwickeln sich auch ABB, Julius Bär (je +1,0%), Sonova (+0,7%) und Sika sowie Syngenta (je +0,3%). Ob der Markt zulegt oder nachgibt, Syngenta scheinen seit der Chemchina-Offerte bei etwa 400 Franken festgemauert, heisst es im Handel.

EFG-Aktie sackt nach Zukauf ab

Am breiten Markt stehen die EFG-Titel (-4,3%) im Fokus, nachdem die Privatbank am Morgen die Übernahme der Tessiner BSI für rund 1,33 Milliarden Franken gemeldet hat, wozu es allerdings eine Kapitalerhöhung braucht. Insgesamt wird die Transaktion von Analysten als sinnvoll betrachtet, wegen ihrer Grösse gleichwohl eher kritisch kommentiert. Am Freitag waren die Aktien um knapp 2% gestiegen, nachdem Übernahmeverhandlungen bestätigt wurden.

Grössere Verluste verzeichnen u.a. auch Charles Vögele (-4,7%), grössere Gewinne Cassiopea (+6,6%), Looser (+5,1%), BB Biotech (+4,3%) und Ascom (+3,1%).

(AWP)