In Marktkreisen spricht man vor allem von einer technischen Korrektur auf die massiven Verluste der letzten Zeit. Auch in einer Abwärtsbewegung gebe es einzelne Tage mit steigenden Kursen, meint ein Marktteilnehmer. Wie nachhaltig die Erholung sei, müsse sich daher noch zeigen.

Unterstützung kommt auch von den steigenden Ölpreisen. Ein Pressebericht hatte am Vortag wieder einmal Hoffnungen auf eine mögliche Förderkürzung durch die Opec geweckt. Für grössere Bewegung könnten am Nachmittag noch US-Makrodaten zu Detailhandelsumsatz und Konsumentenvertrauen sorgen. Diese interessieren besonders, weil die meisten Daten zur US-Wirtschaft zuletzt etwas geschwächelt und die US-Notenbank kurz nach der ersten Zinserhöhung etwas auf dem falschen Fuss erwischt haben.

Der SMI gewinnt zur Mittagszeit 1,3% auf 7593 Punkte, wobei das Tageshoch mit 7623 Punkten noch einiges höher liegt. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, erholt sich um 1,4% auf 1131 Punkte ein und der breite SPI um 1,2% auf 7879 Punkte.

Grosse Ausschläge

Bis auf Galenica (-0,2%) und Adecco (unv.) liegen alle SMI/SLI-Titel zur Berichtszeit im Plus, wobei die Ausschläge erneut relativ gross sind. Auch die Volatilität gemessen am VSMI bleibt hoch, wenn auch der Index zur Berichtszeit 2% fällt. Auf die Gesamtwoche gesehen wird der SMI erneut ein starkes Minus ausweisen. In der Vorwoche waren es bereits -4,3% gewesen, auf dem aktuellen Niveau sind es sogar -4,6%.

Je länger je mehr sprechen Investoren darum von einem Bärenmarkt. Gemäss Definition ist das der Fall, wenn der Index über eine gewisse Zeit mehr als 20% verliert. Bei einem Höchststand im Vorjahr von 9527 Punkten beträgt das Minus hierzulande rund 20%. Von einer "gesunden Korrektur" könne nach den Teils panikartigen Verkäufen in den vergangenen Tagen jedenfalls keine Rede mehr sein, so ein Börsianer.

Besonders arg gebeutelt wurden bisher die Bankaktien mit Minusraten im Jahr von 43% für die CS, 29% für die UBS oder 24% für Julius Bär am Donnerstag zum Handelsschluss. Die Konjunkturängste, aber auch die Gefahr vor grösseren Kreditausfällen und noch höheren Negativzinsen belasteten die Titel bisher schwer. Sie haben entsprechend auch am meisten Korrekturbedarf und führen das Feld der Gewinner am Freitag klar an: CS gewinnen 4,5%, UBS 4,2% und Julius Bär immerhin 2,1%.

Ölpreis treibt Transocean-Aktie

Vom höheren Ölpreis profitiert ausserdem Transocean (+4,1%) als bester Zykliker. Das Ölbohrservice-Unternehmen hat im Flottenbericht neue Verträge seit dem 26. Oktober mit einem Geschäftsvolumen von insgesamt etwa 500 Millionen Dollar aufgeführt. Der Titel gehört mit einem bisherigen Minus 2016 von 34% ebenfalls zu den schwächsten Schweizer Bluechips. Das Gleiche gilt für Lafarge-Holcim (-32%), die aktuell mit +1,7% leicht überdurchschnittlich zulegen.

Gesucht sind ausserdem Schindler PS (+2,1%). Der Innerschweizer Lift- und Rolltreppenhersteller hat vorbörslich sein Jahresresultat 2015 veröffentlicht und dabei in etwa im Rahmen der Schätzungen abgeschlossen. Ein Lichtblick sei vor allem der überzeugende Ausblick für das laufende Jahr, meinten Analysten. Weitere Zykliker wie ABB (+1,9%), Kühne+Nagel (+1,7%) oder Swatch (+1,7%) sind ebenfalls in der oberen Tabellenhälfte zu finden, ebenso wie die Papiere des Versicherers Zurich (+1,8%) am Tag nach der Zahlenpräsentation.

Die defensiven Schwergewichte zeigen sich eher unterdurchschnittlich, wobei Novartis (+1,2%) das Feld klar anführt vor Nestlé (+0,9%) und Roche (+0,7). Der Nahrungsmittelhersteller wird nächste Woche seine Jahreszahlen präsentieren. Die schwächste Performance am Freitagmorgen zeigen neben den bereits erwähnten Titeln Syngenta (+0,1%), Lonza (+0,3%) und Givaudan (+0,5%).

Im breiten Markt legen Temenos (+0,5%) nach Zahlen etwas zu, wobei die Gewinne im Laufe des Morgens stark abgeflacht sind. GKB (-1,3%) zeigen sich nach Zahlen schwächer, Zug Estates (+1,0%) fester.

(AWP)