Die wirtschaftliche Unsicherheit in den wichtigsten Absatzmärkten bremst den Appetit der Konsumenten auf edle Zeitmesser, sagten Branchenvertreter auf der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. "2016 ist sehr schwierig, weil es den Leuten an Zuversicht fehlt, einfach hinzugehen und unsere Produkte zu kaufen", sagte Aldo Magada vom Uhrenhersteller Zenith zur Nachrichtenagentur Reuters. Der Chef der zum französischen LVMH -Konzern gehörenden Marke kann deshalb einen Stellenabbau nicht ausschliessen. Zenith verkauft zwei von drei seiner Uhren an Chinesen.

Vor allem die Abkühlung der chinesischen Konjunktur macht der Branche zu schaffen. Zudem geht die Regierung in Peking im Kampf gegen Korruption seit einiger Zeit gegen das Verschenken von Luxusartikeln vor. In Hongkong, dem weltweit wichtigsten Einzelmarkt für die Schweizer Uhrenbranche, sind die Verkäufe eingebrochen. Nach Ansicht des Luxusuhrenherstellers Patek Philippe haben viele Firmen zu stark auf China und chinesische Touristen gesetzt. "Sie gingen zu rasch voran. Nun sind die Lagerbestände überall zu hoch", erklärte Präsident Thierry Stern.

Rückgang der Exportzahlen

Die auch bei Asiaten beliebte Feriendestination Paris leidet unter den Folgen der Terroranschläge im vergangenen November. In Osteuropa stockt der Absatz wegen des schwachen Rubels und der Ukraine-Krise und im Nahen Osten macht der Ölpreiszerfall den Luxusgüterherstellern einen Strich durch die Rechnung.

Die schwierige Situation spiegelt sich in den Exportzahlen. Nach einem Rückgang der Ausfuhren von 3,3 Prozent im Vorjahr sind die Verkäufe von Uhren aus der Schweiz im Januar um fast acht Prozent gefallen. "Ich habe von Konkurrenten gehört, dass sich die Situation seit Jahresanfang eher noch weiter angespannt hat", sagte Laurent Dordet, der Leiter des Uhrengeschäfts beim französischen Luxusartikelkonzern Hermes.

Die zum Weltmarktführer Swatch gehörenden, im mittleren Preissegment angesiedelten Marken Tissot und Longines rechnen im laufenden Jahr bestenfalls mit leichten Verbesserungen.

Stahl ist das neue Gold

Während Zenith erst über einen Stellen-Abbau brütet, ist die Genfer Richemont schon einen Schritt weiter. Die Nummer zwei der weltweiten Luxusgüterbranche hat mit den Gewerkschaften einen Sozialplan über den Abbau von rund 350 Stellen bei seinen Uhrentöchtern ausgearbeitet, heisst es bei dem Konzern.

Andere Unternehmen aus der erfolgsverwöhnte Branche denken beim Produktsortiment um. Viele Fabrikanten setzen inzwischen verstärkt auf weniger teure Modelle aus poliertem Stahl als auf Luxuszeitmesser aus Gold. "Unser Angebot hat sich verändert", erklärte Magada. "Wir verkaufen weniger Gold- und mehr Stahluhren." Zudem hat offenbar auch das rasante Wachstum von mit dem Internet verbundenen Smartwatches ein Umdenken ausgelöst. Belächelten die eidgenössischen Hersteller die Computer am Handgelenk lange, springen jetzt immer mehr Firmen auf den rollenden Zug auf.

(Reuters)