Das Thema erhielt erst kürzlich neuen Diskussionsstoff: die Privatisierung der Swisscom. In der Presse vom letzten Sonntag war es diesmal Seco-Direktorin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, welche die Eigentümerfrage des teilstaatlichen Telekomriesen ins Gespräch brachte. Gegenüber der "NZZ am Sonntag" sagte sie, es sei schwer zu beweisen, dass ein Unternehmen in Staatshand schneller und effizienter sei als eine Privatfirma.

Bei den als defensiv geltenden Swisscom-Aktien sorgte diese Nachricht am Montag für Kursfantasie. Sie reagierten mit einem Anstieg von 1,5 Prozent. Zwar konnte sich der Titel an den kommenden Handelstagen dem allgemeinen Negativsog auch nicht entziehen. Aber im Vergleich mit dem stark negativen Gesamtmarkt steht die Aktie gut da. Die Aktie gilt als defensiver Wert mit Fokus auf den Binnenmarkt, der gerade in unruhigen Börsen-Zeiten wie diesen profitiert.

Deshalb sind weitere Umschichtungen in die Swisscom-Aktie durchaus denkbar. Glaubt man Analystenberichten, dann schein ein Anstieg bis auf 530 Franken langfristig möglich. Am Freitagmorgen kostete der Titel 495 Franken.

Geschwindigkeit wäre entscheidend

Für Aufsehen sorgte im Dezember ein OECD-Bericht. Darin wurde moniert, die ehemalige Monopolistin Swisscom geniesse immer noch Vorteile und bremse so den Wettbewerb. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schlug in diesem Zusammenhang eine vollständige Privatisierung vor.

Gegen solche Kritik wehrt sich die Swisscom jeweils mit dem Argument, sie sei kein Staatsbetrieb. Ein Blick auf die strategischen Ziele zeige gar, dass der Bund als Mehrheitseigner unternehmerischen Freiraum gewährleiste. Fakt ist jedoch, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft mit 51 Prozent die Mehrheit des Aktienkapitals hält.

Es drängt sich also die Frage auf, was es für die bestehenden Aktionäre der Swisscom bedeuten würde, wenn dieses Aktienpaket auf den freien Markt gelangen würde.

Zuallererst ist entscheidend, mit welcher Geschwindigkeit dieser Verkauf vonstattengehen würde: Reduziert der Staat seine Beteiligung in einem Rutsch, nähme der Druck auf die Aktie kurzfristig eher zu als wenn die Eidgenossenschaft dies sukzessive tut. "Aber langfristig wäre die Swisscom eventuell freier in ihren Entscheidungen", sagt Jan Widmer dazu. Er ist Telekom-Analyst bei der St. Galler Kantonalbank.

Free Float hoch genug

Ganz gewiss würde sich der Anteil frei handelbarer Swisscom-Aktie radikal erhöhen. Doch ein Anstieg des sogenannten "Free Float" wäre nicht besonders relevant, ist Panagiotis Spiliopoulos überzeugt. Denn dieser sei bereits jetzt auch für grosse institutionelle Aktionäre hoch genug, so der Research-Leiter der Bank Vontobel.

Wird das Band zum Staat zerschnitten, dürfte sich hingegen der Fokus der Aktionäre verschieben. Und zwar hin zum Wachstum von Gewinn und Dividende, sagt der Vontobel-Experte. Das wiederum ist nur möglich durch zusätzliche Akquisitionen oder Kostenreduktionen. Denn die implizite Staatsgarantie würde ja wegfallen. Ebenso könnten weitreichende Investitionsprogramme hinterfragt werden, beispielsweise solche in eine Breitband-Festnetzinfrastruktur.

Die Swisscom-Aktie vielerorts wegen ihrer grosszügige Dividende beliebt, die derzeit bei 22 Franken pro Aktie steht. "Grundsätzlich wird der Faktor 'Staatseigentum' bei der Swisscom-Aktie überschätzt. Sie ist vor allem aufgrund ihrer Ausschüttungspolitik spannend, an der auch der Bund interessiert ist", sagt Widmer. Die Dividenden würden wohl auch bei einer Privatisierung attraktiv bleiben.

Politik-Prognosen sind schwierig

Jüngst geriet die Swisscom auch wegen Bussen in die Schlagzeilen. Das Bundesverwaltungsgericht sprach eine Zahlung von 186 Millionen Franken wegen überhöhter Preise für Internetanschlüsse aus und von der Wettbewerbskommission schneite eine Busse von rund 8 Millionen Franken wegen eines Auftrags der Post ins Haus. Zudem stösst der Vertrag zur gemeinsamen Werbevermarktung der Swisscom mit SRG und Ringier auf Kritik.

Auch wenn die Privatisierung der Swisscom von verschiedenen Seiten immer wieder thematisiert wird, liegt der Ball schlussendlich bei der Politik. Und den politischen Fahrplan zu prophezeien, ist äusserst schwierig. Panagiotis Spiliopoulos glaubt auf jeden Fall nicht an einen Verkauf, auch wenn das Schweizer Parlament im Oktober nach rechts gerückt ist. Zudem bestünden viele Fallstricke auch bezüglich des Service Public, und es würde zu Anpassungen im Telekomgesetz führen, was viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Auch die Gefahr eines Referendums würde bestehen.

"Aus meiner Sicht besteht keine Notwendigkeit und auch kein Nutzen einer Privatisierung, nur weil die OECD das fordert", so der Vontobel-Analyst.