Kurzfristige Kursrückgänge kann man bei Aktien verkraften, wenn die Langzeitperformance stimmt. Sagt man an der Börse. Doch beim Batterienhersteller Leclanché aus Yverdon ist gerade die lange Frist besorgniserregend, während wenigstens die kurze Frist für etwas Hoffnung sorgt, wie folgender Grafik zu entnehmen ist:

5-Jahresentwicklung Leclanché-Aktie (Quelle: cash.ch).

Die Einjahresperformance liegt bei minus 29 Prozent, auf fünf Jahre betrachtet sind es gar schockierende minus 92 Prozent. So sieht die Kursentwicklung eines Unternehmens aus, welches dringend das Steuer rumreissen muss, wenn es nicht kopfüber in den Abgrund stürzen will.

Und dieses Steuer versucht CEO Anil Srivastava, der sein Amt seit Juni 2014 innehat, nach jahrelangen Verlusten nun unter Kontrolle zu kriegen. Erste Erfolge widerspiegeln sich im Aktienkurs, der seit Jahresbeginn die Richtung gedreht hat und knappe 25 Prozent zulegen konnte.

Was wollen die Chinesen?

Drei Ereignisse haben die jüngste Kurs-Hausse ausgelöst: Ein gewonnener Grossauftrag in Kanada, eine erfolgreiche Kapitalerhöhung und ein chinesischer Investor, der Ende Dezember auf einen Schlag 30 Prozent der Leclanché-Aktien übernahm. Es handelt sich um Golden Partner International, ein luxemburgisches Unternehmen, das wirtschaftlich dem in China ansässigen Jia Yufeng gehört.

"Dass Chinesen im Bereich der Renewables vorne mitmischen und sich dafür Know-how aneignen, ist nichts neues", sagt Dominik Müller, Analyst bei Rahn & Bodmer auf Anfrage von cash. Chinesische Investoren hätten in der Vergangenheit bereits viel Technologie eingekauft.

Eine Übernahme auch durch ein anderes Unternehmen sieht Müller derzeit jedoch nicht als realistisch an, man müsse zuerst einen positiven Umsatztrend bei Leclanché erkennen. "Es müssten schon noch etwa drei weitere Grossaufträge an Land gezogen werden können, bis ein Kauf ein Thema würde." Das könne in zwei oder drei Jahren der Fall sein.

Mögliche Kauf-Interessenten ausserhalb Chinas sind gemäss Müller die drei amerikanischen Firmen First Solar, SolarCity und Johnson Controls, aber auch die Saft Group aus Frankreich.

Der Turnaround muss bald kommen

Auch wenn die Absichten des chinesischen Investors noch im Dunkeln bleiben, scheint das Interesse am Waadtländer Unternehmen wohl mit den hohen Zielen zusammenzuhängen, die sich Leclanché selbst gesetzt hat und den lange ersehnten Turnaround möglich machen sollen.

Doch das sind Zukunftspläne, die Gegenwart sieht anders aus: Seit 2009 schreibt Leclanché rote Zahlen. Auch im ersten Halbjahr 2015 enttäuschte man einmal mehr mit einem Verlust von 11,3 Millionen Franken und einem Umsatzrückgang von 37 Prozent zur Vorjahresperiode. Trotzdem zeigt sich das Management im Halbjahresbericht zuversichtlich: Man sei bezüglich Wachstumsplan auf Kurs, die Finanzmittel seien ausreichend, bis die Gewinnschwelle erreicht werde. 

"Wenn sich die Kostenstruktur nicht ändert, braucht Leclanché einen Umsatz von ungefähr 30 Millionen Franken, damit die operative Gewinnzone erreicht werden kann", sagt Müller. Das wäre das Dreifache des aktuellen Umsatzes von 10 Millionen Franken.

"Aktionäre von Leclanché vertrauen in Bezug auf das Erreichen der operativen Gewinnschwelle etwas auf das Prinzip Hoffnung", so Müller. Denn so toll die ganzen Wachstumspläne von CEO Srivastava auch sein mögen, die Waadtländer haben langsam ein Glaubwürdigkeitsproblem: "Leclanché hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals neu ausgerichtet, was das Vertrauen der Anleger auf eine harte Probe gestellt hat."

Vor sieben Jahren war der Batterienhersteller bereits an einem ähnlichen Punkt wie heute. Man hatte ambitionierte Pläne, wollte Heimspeicher für Solarenergie produzieren, brachte das Geschäft jedoch nicht so recht in die Gänge. Mittlerweile erwächst mit Tesla und dessen Powerwall in diesem Bereich eine mächtige Konkurrenz.

Wird diesmal alles besser?

Erste Anzeichen, dass es diesmal besser werden könnte, sind vorhanden: Vor einer Woche vermeldete Leclanché einen Auftrag aus Übersee. Die kanadische Hecate Canada Storage hat die Westschweizer als exklusiven Partner für die Lieferung eines Energiespeichersystems ausgewählt. Dabei handle es sich um eines der grössten Projekte für Stromspeicher für Netzdienstleistungen in Nordamerika, wie Leclanché mitteilte. Innerhalb einer Stunde nach Ankündigung dieses Auftrags schoss die Aktie 15 Prozent in die Höhe.

Und bereits 2015 konnte der Batteriehersteller zwei Grossaufträge an Land ziehen: Für das grösste elektrisch angetriebene Fährschiff der Welt in Dänemark liefert Leclanché ein Batteriespeichersystem, wo man den Vorzug vor dem Branchenriesen Siemens erhielt. Der andere gewichtige Auftrag ist ein Speichersystem für ein Erneuerbare-Energien-Projekt auf der Azoreninsel Graciosa

Auch wenn sich in letzter Zeit die positiven News etwas häuften, ist Leclanché keineswegs über dem Berg. CEO Srivastava muss endlich erfolgreiche Zahlen präsentieren, ansonsten verlieren die Investoren die Geduld. Erste Gelegenheit zur Investorenaufmunterung hat Srivastava am 17. März 2016. Dann veröffentlicht Leclanché den Jahresbericht 2015.