«Das neue iPhone 4 lässt den Traum von Videotelefonie wahr werden.» So der Wortlaut der aktuellen Medienmitteilung von Swisscom. Sie könnte aber auch direkt aus der Feder von Apple stammen. Mit Objektivität hat der Inhalt gar nichts zu tun: Die mobile Videotelefonie gibts schon seit über vier Jahren. Apple hat kopiert, was andere längst haben.

Nicht nur Swisscom brilliert in mündlicher und schriftlicher Kommunikation mit Phrasen wie «Wundergerät» und Superlativen wie «das modernste mobile Betriebssystem». Auch Orange und Sunrise müssen sich dem Diktat des US-Konzerns beugen. Zwar bestätigt keiner der drei Netzanbieter, dass sie am Gängelband von Apple hängen, aber in der Branche ist schon länger bekannt, dass Apple beim «Wording» das Sagen hat. 

Herdentrieb und Ersatzreligion? Gutes Marketing!

Mit dem Jubel über die «technische Innovation» heizen die Netzbetreiber orchestriert den Hype um das neue Apple-Smartphone zusätzlich an. Die Medien folgen meist im Gleichschritt und übernehmen allzu oft Übertreibungen und Behauptungen, ohne den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So lassen sich Schlagzeilen ebenso verkaufen wie das Gerät, weil es die Erwartungshaltung der Konsumenten trifft.

Psychologen reden vom Herdentrieb und von Ersatzreligionen. Dabei macht Apple nichts anderes als konsequent gutes Marketing. Dazu gehören Mitarbeiter, die Käufer von Apple-Produkten bejubeln, ebenso wie Menschen, die stundenlang vor Läden in einer Schlange ausharren, um ein «Wundergerät» kaufen zu dürfen.

Nette Frühaufsteherin gesucht

Dieser kollektive Hype zwingt Netzbetreiber in die Knie. Denn verweigern sie sich den Auflagen des US-Konzerns, dann vergeben sie sich die Chance auf fette Umsätze. Sie degradieren sich damit allerdings zum Befehlsempfänger und laufen Gefahr, dass andere Hersteller mit ähnlicher Markmacht zukünftig ähnlich wie Apple auftreten.

Deshalb werden sich die Konsumenten noch auf mehr Aktionen wie zum Beispiel von Orange Schweiz einstellen müssen: Die Tochter des französischen Telekommunikationsriesen offeriert Frauen neben Kaffee und Gipfeli ein Exklusiv-Einkaufsrecht ab 6 Uhr in der Globusfiliale in Zürich. Aber eben nur Frauen. Das wiederum führt zu solchen Aufrufen:

«Welche nette Frühaufsteherin hat Lust, am 30. Juli um 6 Uhr in der Früh für mich bei Orange im Globus in Zürich anzustehen? Ich würde mich ja gerne selbst anstellen, um an ein iPhone 4 zu kommen, es gilt jedoch Ladies first. Warum du mir diesen Gefallen machen solltest? Orange serviert Frühstück bis ans Ende der Warteschlange und verteilt kleine Geschenke und ich würde dir natürlich ein Abendessen spendieren.»

Apple wird sich freuen.

 

Weltweit sieht's gleich aus: Jubel zur Eröffnung eines Apple-Shop: