Die Nachricht des Verkaufs der Bank Wegelin an die Raiffeisen-Gruppe kommt aufgrund der Faktenlage - drohende Klage aus den USA gegen Exponenten der ältesten Schweizer Privatbank - nicht ganz unerwartet. Dennoch schlug sie unter den WEF-Teilnehmern in Davos ein wie eine Bombe.
Es macht sich Betroffenheit breit. "Es ist eine bedauerliche Entwicklung", sagt Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, im Gespräch mit cash. "Aber es ist ein Zeichen, dass die Politik und die Finanzbranche jetzt noch mehr zusammenstehen und eine rasche Lösung mit den USA finden müssen, sonst gibt das noch lange Probleme".
Noch vor drei Wochen liess die Bank Wegelin in einer Mitteilung verlauten, dass sie in der Auseinandersetzung mit den USA um den Finanzplatz Schweiz und der Anklage gegen drei Mitarbeiter der Bank keine Gefahr für ihr Fortbestehen sehe. "Die Wegelin-Nachricht hat mich überrascht", sagt Jean-Pierre Cuoni, VR-Präsident von EFG Intzerntional.
Wegelin-Partner Konrad Hummler fiel in den letzten Jahren immer mit sehr dezidierten Äusserungen gegen die USA auf und holte sich damit auch einige Symphatien. Hummler ist einer der am besten vernetzten Bankiers der Schweiz.
Schweiz in der Sackgasse
Auch daher macht sich Konsternation, ja Ärger breit über das Vorgehen der Amerikaner: "Es ist erstaunlich, dass die USA immer Mittel und Wege finden, die Schweiz in die Sackgasse zu führen", sagt etwa Peter Gomez, Verwaltungsratspräsident der Six Group, zu cash.
Verwirrung löste die Wegelin-Nachricht auch deshalb aus, weil noch am Donnerstag Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf nach einem Treffen mit US-Finanzminister Timothy Geithner am WEF die frohe Botschaft verkündete, dass der Bankenstreit mit den USA noch dieses Jahr beigelegt werden könnte. Sie gehe davon aus, dass noch dieses Jahr eine Lösung für die elf betroffenen Schweizer Banken gefunden werde, sagte Widmer-Schlumpf.
Das US-Justizministerium und die Steuerbehörde IRS fordern von elf Schweizer Banken - dazu gehören die Credit Suisse, die Bank Julius Bär, die Privatbank Wegelin sowie die Basler Kantonalbank - die Namen von amerikanischen Kunden, die ihr Geld in der Schweiz vor dem Fiskus versteckt haben sollen.
Parallelen zum Fall Hildebrand
Die US-Behörden halten die Schweiz zur Zeit an verschiedenen Fronten in Atem. So sind etwa Verhandlungen mit der Steuerbehörde IRS sowie mit dem Justizdepartement im Gang. Zudem müsste der Senat über das Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz entscheiden.
Ob sich Wegelin-Partner Konrad Hummler als Verwaltungsratspräsident der NZZ-Gruppe halten kann, darüber mochte sich Gomez nicht äussern: "Das muss Hummler selber entscheiden", sagte er einem Reporterteam der SF-Sendung "10 vor 10". Gomez war früher Rektor der Universität St. Gallen und kennt Hummler persönlich.
Zweifellos stellt sich beim Thema "Hummler und NZZ" die Frage nach der Glaubwürdigkeit, sollte Hummler weiterhin im Amt bleiben. Parallelen zum Fall Hildebrand sind unverkennbar.