cash: In wenigen Wochen veröffentlicht Georg Fischer den Halbjahresbericht. Läuft das Geschäft wie budgetiert oder müssen sich Anleger auf eine negative Überraschung gefasst machen?
Yves Serra: Es gibt keine negativen Überraschungen. Das Geschäft läuft nach Plan, wir sind mit unseren Zielen auf Kurs. Wir haben die Kosten im letzten Jahr durch eine gross angelegte Restrukturierung rasch gesenkt. Dass heisst, dass wir ein operatives Potenzial haben. Von den dazumal eingeleiteten Massnahmen profitieren wir jetzt. Zudem laufen die Märkte in unseren drei Sparten Piping Systems, Automotive und Agie Charmilles besser als im Vorjahr, was uns zusätzlichen Schub gibt.
Heisst das jetzt auch, dass die Autozulieferbranche und damit Ihre Sparte Automotive schneller aus der Krise herausfahren als erwartet?
Wir sind abhängig von unseren Kunden. Wenn diese heute mehr produzieren, dann produzieren auch wir mehr. Das ist jetzt der Fall. Die Kunden haben 2009 die Lager stark reduziert. Nun haben wir einen Basiseffekt, was heisst, dass die Kunden jetzt auf dem Niveau des Absatzes produzieren. Ergo profitieren wir davon.
Wie stark trifft die Euro-Krise das Wachstum von Georg Fischer?
Da wir auch viel in Euro-Ländern produzieren, ist rund ein Viertel unseres Umsatzes vom Euro betroffen. Das gilt für alles, was wir in der Schweiz produzieren und in Euro-Land verkaufen. Das betrifft vorwiegend die Sparte Piping Systems.
Was tun Sie diesbezüglich?
Wir versuchen ein Gleichgewicht zwischen Einkauf und Verkauf in Euro herzustellen. Allerdings glaube ich nicht, dass wir das zu 100 Prozent schaffen werden.
Entscheidend wird sein, wie lange die Frankenaufwertung anhält.
Wie müssen jetzt die Nerven bewahren. Wir ändern nicht kurzfristig unsere Strategie, nur weil der Euro eine vorübergehende Schwäche hat. Natürlich müssen wir am Ball bleiben und die Entwicklung an der Währungsfront beobachten.
Viel Firmen jammern über den schwachen Euro. Georg Fischer kleckert nicht, sondern klotzt. Ein ums andere Werk geht in Asien auf. Ist die Gewichtsverlagerung besonders nach China der Erfolgsbringer?
Dank der Krise haben sich die Märkte nach Asien verschoben. China ist heute im Werkzeugmaschinenmarkt mit Abstand weltweit die Nummer eins. Das gleiche gilt für den Automarkt und viele andere Märkte. Deswegen ist es für uns notwendig, immer mehr in China zu investieren. Die Musik spielt in vielen Branchen jetzt in Asien.
Was sind weitere geplante Massnahmen, um die Euro-Krise abzufedern?
Natürlich investieren wir auch in den USA und Südamerika. Wie auch in der Vergangenheit hedgen wir den Euro. Wir kaufen auch vermehrt in Euro-Ländern ein. Wie gesagt müssen wir als Firma langfristig denken, dass heisst investieren, wo die Märkte sind.
Verliert die Schweiz für Georg Fischer an Bedeutung?
In der Schweiz müssen wir noch die Kosten weiter senken. Innovationen dürfen dabei aber keinesfalls auf der Strecke bleiben. Also nein, die Schweiz bleibt Kernland. Die gesamte Forschung und Entwicklung, unser Knowhow entsteht hier und das soll auch noch lange Zeit so bleiben.
Um eine Ebit-Marge von 8 Prozent bis 2012 zu erreichen, braucht Georg Fischer einen Umsatz von 4 Milliarden Franken, sagten Sie vor einem Monat. Die Schweizer Wirtschaft wie etwa auch die Chinesische wachsen, aber langsamer als erwartet, so die neusten Zahlen. Ist das Ziel also gefährdet?
Wir haben schon in 2006 und 2007 4,5 Milliarden Franken Umsatz erreicht. Wenn die Belebung der Nachfrage, die wir jetzt erleben, nachhaltig ist, sehe ich kein Problem darin, 4 Milliarden zu erreichen. Die Struktur von Georg Fischer ist grösstenteils geblieben.
Noch einmal, ist das Ziel erreichbar?
Wir bestätigen das Ziel. Wenn die Nachfrage nachhaltig wächst wie heute, werden wir eine Ebit-Marge von 8 Prozent bis 2012 erreichen mit einem Umsatz von 4 Milliarden Franken. Vorausgesetzt es gibt keinen Einbruch des Geschäfts bis 2012.
Was ist Ihre Vision für den Industriekonzern?
Wir wollen diese Abhängigkeit von Europa Schritt für Schritt reduzieren, indem wir gezielt stärker in Amerika und besonders in Asien investieren. Wir wollen 40 Prozent des Gesamtumsatzes in dieser Region erzielen. Auf Spartenebene: Wir wollen Piping Systems von heute 35 Prozent auf 40 Prozent des Gesamtumsatzes vorantreiben. Innovation soll langfristig Schweizer Kernaufgabe bleiben.
Der 57-jährige Franzose Yves Serra wurde vor zwei Jahren CEO des Schaffhauser Industriekonzerns Georg Fischer. Zuvor war Serra unter anderem Leiter der Sulzer Konzerngesellschaft Hirayama Manufacturing in Tokyo (Japan). Der diplomierte Ingenieur hat nach seinem Studium als Diplomat für die französische Regierung auf den Philippinen gearbeitet.


