Die jüngst wieder positiv überraschenden Wirtschaftsdaten aus den USA und Deutschland haben den arg gebeutelten Automobilaktien wieder deutlich Aufwind gegeben. In den USA und Deutschland erholten sich die Aktienkurse der Automobilhersteller um bis zu 50 Prozent. Die VW-Vorzugsaktien und BWM stiegen gar in die Nähe ihres Allzeithochs.

Dabei ist dem Automobilsektor für 2012 wegen dem befürchteten Weltkonjunktureinbruch ein deutlich abflachendes Wachstum vorausgesagt worden. Bei der für die Branche wichtigen Automesse "Auto Show Detroit", die vor einem Monat stattgefunden hatte, waren den Firmenchefs nur vorsichtige Aussagen auf das laufende Jahr zu entlocken gewesen.

Vorderhand sprechen die Zahlen aber (noch) eine andere Sprache: Der Verkaufsstart ins neue Jahr ist in den wichtigsten Absatzmärkten über Erwarten ausgefallen. In den USA wurden im Januar zum achten Mal in Folge mehr Autos verkauft als in der Vorjahresperiode. Als Grund wurde angeführt, dass viele Amerikaner ihre in die Jahre gekommene Karre durch ein neues Auto austauschten.

Positive Unternehmens-News


Auch auf Unternehmensseite war in den letzten Tagen fast ausschliesslich Positives zu vernehmen: Daimler erzielte 2011 den grössten Gewinn ihrer Geschichte, Volvo steigerte den Umsatz um 20 Prozent und den Gewinn um 50 Prozent, Toyota hob die Gewinnprognose für 2011 deutlich an und General Motors, die vor drei Jahren den Bankrott dank Staatshilfe abwenden konnte, ist in Erwartung eines Rekordgewinns.

Die Ausblicke der einzelnen Autohersteller fielen verhalten positiv aus. Der Tenor lautete: Wenn 2012 ein Ergebnis im Rahmen des Vorjahrs erzielt werde, sei man zufrieden. Doch selbst solch verhaltene Töne kamen bei den Aktionären nicht schlecht an. Im Gegensatz zu anderen zyklischen Titeln, die seit rund drei Monaten bei den Anlegern gefragt sind, wurden noch keine nennenswerten Gewinnmitnahmen verzeichnet. Das liegt vor allem daran, dass die konjunkturelle Wetterlage wieder besser ist als noch im November befürchtet.

Tiefe Bewertung

Automobilaktien-Analyst Philipp Gamper von der Bank Sarasin glaubt, dass dieser Aufwärtstrend noch eine längere Zeit anhalten könnte. "Die Bewertungen im Sektor sind noch immer attraktiv", sagt Gamper. So weisen beispielsweise die deutschen Autohersteller ein Kurs-Gewinn-Verhältnis zwischen 6 und 9 auf, obwohl die Kurse im historischen Vergleich relativ hoch sind.

Allerdings sind nicht mehr alle Automobilaktien ein Kauf. Das sieht auch Analyst Gamper so: "Der Anleger sollte nun Premium-Anbieter dem Massenhersteller vorziehen." Das liegt daran, dass gerade die Hersteller von hochwertigeren Autos weiterhin in China von den noch immer steigenden Verkaufszahlen profitieren können.

VW und Daimler heben sich von der Konkurrenz ab

Als Kaufkandidaten empfehlen sich vor allem zwei Aktien: Volkswagen und Daimler. VW verfügt über ein grosses Markenportfolio, eine gute Positionierung in den asiatischen Emerging Markets  sowie eine herausragende Modularstrategie. Inzwischen ist VW fähig, auf einer einzigen Produktionsstrasse Autos von verschiedenen Marken zu bauen und damit die Skaleneffekte weiter zu erhöhen.

Daimler hingegen profitiert weiterhin von ihrer Preissetzungsmacht. Trotz Marketingoffensiven von BWM und Audi, die ähnliche Modelle anbieten, scheint der Markt die leicht höheren Preise von Mercedes-Benz zu akzeptieren. Zudem ist Daimler damit beschäftigt, die Volumensynergien weiter auszubauen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 von 6,7 ist Daimler noch immer sehr tief bewertet.

Wenig Chancen auf weitere Kursgewinne bieten hingegen BMW sowie die amerikanischen Autohersteller. BMW wird von der Börse bereits relativ hoch bewertet und hat den Zenit des aktuellen Produktezyklus überschritten. Das erfordert einen erheblichen Nachholbedarf bei den Investitionen. Die amerikanischen Autohersteller sind zu fest vom Heimmarkt abhängig. Seit 2008 sind in den USA die Autoverkäufe von 18 auf 12 Millionen gesunken. Es ist nicht anzunehmen, dass der Vorkrisenabsatz so schnell wieder erreicht werden kann.