Nach den ungewöhnlich klaren Worten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), wonach die zwei grössten Schweizer Banken über zu wenig Eigenkapital verfügen, ist das befürchtete Ungemach für die UBS und Credit Suisse am Donnerstagabend eingetroffen: Beide Finanzinstitute sind von der Ratingagentur Moody's herabgestuft worden. 

Felix Brill, Chefökonom bei Wellershoff und Partners, sagt im cash-Börsen-Talk (der am Donnerstag vor der Publikation der Moody's-Daten aufgezeichnet wurde), dass die Ratingagentur den Bericht der SNB mit Sicherheit zur Kenntnis genommen habe. Und dass die Kapitalisierung bei einer allfälligen Herabstufung eine Rolle spielen könne. Aber: "Das ist nur ein Aspekt, der bei solchen Ratings berücksichtig wird."

Brill verweist darauf, dass Moody's bereits im Vorfeld eine allfällige Herabstufung kommuniziert habe - auch ohne Kenntnis darüber, was die SNB in ihrem Finanzstabilitätsbericht kürzlich fomulierte. Es sei jedoch wichtig, dass alle Akteure nun eine gemeinsame Berechnungsbasis fänden.

Den grossen Wurf gibt es nicht

Wieviel von dieser Herabstufung bereits im Aktienkurs von Credit Suisse eingepreist sei, sei schwierig zu sagen, erklärt Brill. Er rät jedoch, die Finger von Finanztiteln zu lassen.

Grundsätzlich seien die strukturellen Herausforderungen im Bankensektor enorm – gerade in Europa. "Losgelöst davon, ob eine Rating-Agentur die Bonität herabstuft, wird das Thema Kapitalerhöhung die Banken noch weiter beschäftigen."

Neben dem Ächzen der Banken bleibt Griechenland das europäische Sorgenkind schlechthin. Zwar wurde im Eiltempo eine neue Regierung unter der Führung des Konservativen-Chef und neuen Ministerpräsidenten Antonis Samaras gebildet. Und man müsse dabei das positive herausstreichen, sagt Brill. "Es haben zwei Parteien gewonnen, die sich für einen pro-europäischen Kurs ausgesprochen haben."

Doch die Probleme des Überschuldeten Staates und die Herausforderungen für die Euro-Zone sind damit noch lange nicht gelöst. Offen bleibt auch, ob die Sparvorschriften aus Brüssel nun etwas gelockert werden und wie das Ergebnis allfälliger Nachverhandlungen aussehen wird. Für Samaras werde es ein Regieren zwischen Wunsch und Wirklichkeit, sagt Brill. "Mit einem grossen Wurf, der alle in Wohlgefallen auflösen wird, ist nicht zu rechnen."

Ein valable Lösung der Schuldenkrise sieht Brill in die Verstärkung der fiskalischen Integration. Damit meinte er eine Fiskalunion für Europa, also einem gemeinsamen Haushaltsbudget der Euro-Zone. Der Weg dahin sei jedoch noch sehr weit und steinig.

 

Zudem äussert sich Felix Brill im cash-Börsen-Talk über das serbelnde Spanien, die schlechten Konjunkturaussichten in den USA und über den Verlauf der Schweizer Börse.