Der Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag, Anleihen von Euro-Staaten unter bestimmten Bedingungen unbegrenzt zu kaufen, hat nicht nur die Aktienmärkte wieder neu befeuert, sondern auch im charttechnischen Bild der wichtigsten Börsen-Indizes deutliche Spuren hinterlassen.

Auch beim Swiss Market Index (SMI): "Der SMI steht technisch wieder deutlich stärker da", sagt Analyst Christian Brändli von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Noch vor einer Woche hatte der Schweizer Leitindex deutlich angeschlagener gewirkt. Der Markt habe sich in einem überkauften Zustand befunden, dazu seien negative Divergenzen aufgetreten, so Brändli. Von negativen Divergenzen spricht man, wenn zu weiter steigenden Kursen der Momentum-Indikator fällt. Das wird als negatives Zeichen taxiert. Dieser hat inzwischen wieder nach oben gedreht.

SMI: 6800 Punkte erwartet

Am positiven Bild ändert auch nichts, dass der SMI am Montag eine Verschnaufpause einlegt. "In den ersten Handelsstunden hat sich das Bild leicht eingetrübt", sagt Brändli. Solange aber der SMI oberhalb der Zone zwischen 6470 und 6500 Zählern verbleibt, erwartet der ZKB-Analyst innerhalb der kommenden zwei bis vier Wochen eine SMI-Bewegung in Richtung 6800 Punkten.

Bereits in den letzten vier Handelstagen hat der Swiss Market Index wieder deutlich an Fahrt zugelegt. Seit dem 4. September hat der SMI gut 200 Punkte hinzugewonnen und notiert am Montag nur wenige Zähler unter dem am Freitag aufgestellten Jahreshoch bei 6561 Punkten. 

Der einzige Stolperstein auf dem Weg dorthin liegt bei 6600 Punkten. An dieser Stelle befindet sich ein Zwischenhoch vom Mai 2011. "Dieser Widerstand dürfte allerdings nicht in Beton gemeisselt sein, da es sich nicht um einen Tagesschlusskurs handelt", so Brändli. 

Aktien von Banken und Zyklikern bevorzugt

Auf Titelebene bevorzugt Brändli vor allem die Aktien von Banken und zyklischen Unternehmen. "Diese haben noch ein deutliches Aufholpotenzial", so der ZKB-Analyst. Diese Titel haben bereits vergangene Woche deutlich angezogen. Die Titel der Grossbanken UBS und Credit Suisse haben 9 Prozent hinzugewonnen, die Zykliker Adecco, ABB und Holcim verbuchten ein Wochenplus zwischen 4 und 5 Prozent. 

Vom gestiegenen Risikoappetit der Anleger geht derzeit die grösste Gefahr für das 6800-Punkte-Szenario aus. Denn greifen die Investoren bei den in den letzten Wochen vernachlässigten Aktien zu, verkaufen sie die weniger volatilen Titel wie beispielsweise die defensiven SMI-Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis. Mit Ausnahme von Roche haben diese Valoren letzte Woche deutlich unterdurchschnittlich performt. Die Nestlé-Aktien erlitten gar einen kleinen Wochenverlust. 

Brändli ist aber überzeugt, dass auch diese Sektoren in den nächsten Tagen wieder aufholen werden. "Wenn die Investoren ein diversifiziertes Portfolio anstreben, werden auch die defensiven Titel vom Aufwärtstrend profitieren."