Es ist ein Befreiungsschlag, der möglicherweise zu spät kommt: Obwohl die Credit Suisse am Mittwoch bekannt gab, wie sie ihre Eigenkapitaldecke mit Milliarden aufpolstern will, ist  Brady Dougan "unter erheblichem Druck", wie Vontobel-Research-Leiter Panagiotis Spiliopoulos sagt. 

Noch deutlicher wird Alex Hinder, seit fast 30 Jahren in verschiedenen Funktionen in der Finanzbranche tätig und ein vielzitierter Mann. Hinder sagt gegenüber cash: "Ich gehe davon aus, dass Brady Dougans Zeit bei der Credit Suisse abgelaufen ist." 

Der ehemalige Anlagechef der Bank Leu spricht vom Abserbeln der CS-Aktie, dem Vertrauen, das verloren ging, vom entscheidenden Fehler, das Investmentbanking auszubauen und sagt schliesslich, dass "der Erfolgsausweis von Dougan sehr dürftig ausfällt".  Es werde mit Sicherheit bereits ein Nachfolger für den 52-jährigen Amerikaner gesucht, der besser zur zweitgrössten Schweizer Bank passe.

Überfälliger Schritt

Skeptisch zeigt sich auch der Zürcher Bankenexperte Hans Geiger: "Es stellt sich nun wirklich die Frage, ob Dougan der Richtige ist für eine Schweizer Grossbank, die im Notfall vom Schweizer Steuerzahler gerettet werden müsste", so der ehemalige Bankenprofessor der Universität Zürich. Die Frage sei, ob der Verwaltungsrat überhaupt schon Alternativen für Dougan in der Hand hätte. 

Die Reaktion der Börse auf die bekanntgegebenen Kapital- und Sparmassnahmen könnten kaum deutlicher sein: Die Aktie der Credit Suisse kletterte am Mittwochmorgen zwischenzeitlich gut sechs Prozent in die Höhe, nachdem die Titel in den letzten drei Monaten einen Viertel ihres Werts eingebüsst hatten. Ein klarer Hinweis, dass die Investoren einen solchen Schritt der zweitgrössten Bank als überfällig betrachten. 

Bereits vor über einem Monat hatte die Schweizerische Nationalbank die Credit Suisse aufgefordert, ihr Eigenkapital aufzustocken. Die Bank gab damals zur Antwort, man sei zufrieden mit der eigenen Kapitalausstattung. Schon die Aktionäre sahen es damals anders: Aus Furcht vor einer möglichen Kapitalerhöhung fiel die CS-Aktie daraufhin fast neun Prozent und markierte bei 16,35 Franken ein neues 20-Jahres-Tief.