Nestlé, SGS und Richemont - diese drei Unternehmen haben die Finanzkrise fast unbeschadet gemeistert. Zumindest wenn man den Aktienchart als Massstab nimmt. Seit Juni 2007 haben die Titel dieser SMI-Firmen zwischen 22 und 58 Prozent an Wert zugelegt und notieren heute so hoch wie kaum je zuvor.
Aber auch andere Schweizer Aktien haben sich während der Krise wacker geschlagen: Ein Drittel aller 216 im Swiss Performance Index (SPI) gelisteten Titel weist seit dem 1. Juni 2007 eine positive Performance auf. Unter ihnen befinden sich nicht nur "kleine" und spekulative Aktien, sondern auch grosse und defensive Titel.
Ganz anders perfomte hingegen die Schweizer Börse. Sie büsste in den letzten fünf Jahren über 30 Prozent an Wert ein. Anfang Juni 2007 notierte der SMI noch auf dem Rekordschlusskurs von 9531 Punkten. Zwei Jahre später markierte der Index bei 4455 den vorläufigen Tiefpunkt der Krise. Erholt hat sich der SMI von diesem Absturz nur zaghaft. Seit drei Jahren pendelt das Schweizer Börsenbarometer innerhalb einer Handelsspanne von 5000 und 7000 Punkten. Eine Rückkehr zu alten Höhen ist derzeit wegen der Euro-Schuldenkrise kaum wahrscheinlich.
Richtiges «Stockpicking»
Umso wichtiger ist auch in Zukunft das richtige "Stockpicking". cash hat ein diversifiziertes Musterportfolio mit neun Aktien zusammengestellt, das folgende zwei Bedingungen erfüllt: Eine positive Performance seit 2007 und aktuell ein Aktienkurs auf oder nahe beim Allzeithoch.
| Aktie | seit 1. Juni 2007 | akt. Kurs | Allzeithoch |
| Groupe Minoteries | +102% | 525.00 | 560.00 |
| Bergbahnen Engelberg | +77% | 2039.00 | 2150.00 |
| Walliser Kantonalbank | +74% | 865.00 | 880.00 |
| Richemont | +55% | 50.90 | 59.95 |
| Galenica | +43% | 616.00 | 626.00 |
| PSP | +39% | 84.65 | 85.05 |
| Schindler | +36% | 111.70 | 117.60 |
| Nestlé | +22% | 58.90 | 59.15 |
| SGS | +22% | 1887.00 | 1895.00 |
Quelle: cash.ch / 11. Juli 2012, 15:00 Uhr
Mit Nestlé, SGS und Richemont befinden sich drei Aktien aus dem SMI im Portfolio. Während die ersten zwei auch künftig von ihrer defensiven Ausrichtung profitieren, steht hinter Richemont ein kleines Fragezeichen. Der künftige Verlauf der Aktie hängt massgeblich davon ab, wie sich das Wirtschaftswachstum in China entwickelt. Sollte sich dieses über Erwarten abschwächen, würde auch die Richemont-Aktie deutlich nachgeben.
Ergänzt wird die defensive Ausrichtung mit drei weiteren Titeln aus dem SPI. Die Mühlereigruppe Groupe Minoteries wird auch in Zukunft vom Konzentrationsprozess bei Schweizer Mühlen profitieren. Die Immobilienfirma PSP Swiss Property wird weiter am Bau-Boom partizipieren. Einzige Gefahr lauert im Platzen einer möglichen Immobilienblase. Und vom anhaltenden Wachstum im Gesundheitsmarkt profitiert Galenica. Das Unternehmen sei - so Analysten - mit den strategischen Projekten gut unterwegs.
Zykliker und Finanztitel als Beimischung
Als zyklische Beimischung drängt sich die Aktie des Liftbauers Schindler auf, bei den Finanztiteln fanden jene der Walliser Kantonalbank Aufnahme. Die Staatsbank erzielt seit 2002 Jahr für Jahr Rekordergebnisse und stellt weitere Dividendenerhöhungen in Aussicht. Grösstes Risiko ist eine plötzliche Zinswende. Als eines von wenigen Instituten verzichtete die Walliser KB auf ein Zinsabsicherungsgeschäft. Die Einsparungen sind gewinnwirksam - und davon profitieren im tiefen Zinsumfeld auch die Aktionäre.
Das Portfolio vervollständigen die Aktien der Bergbahnen Engelberg, die in den vergangenen fünf Jahren um über 70 Prozent in die Höhe sprangen. Das Unternehmen profitiert vom anhaltenden Touristenboom aus Asien und erzielte 2011 ein Rekordjahr. Obwohl die Aktie mit dem Kürzel TIBN in den letzten fünf Jahren der zweitbeste Titel im Schweizer Markt war, ist er mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2012 von gut 6 so günstig wie kein anderer in der Branche. Gegen die Aktie spricht derzeit höchstens das illiquide Handelsvolumen. Wer den Titel verkaufen möchte, benötigt deshalb Zeit und Geduld.

