Nur noch umgerechnet rund 5100 Franken kostet ein Flug erster Klasse von Frankfurt oder München nach Sydney mit Thai Airways derzeit. Noch günstiger ist ein Business-Class-Ticket. Für dieselbe Strecke müssen bloss 3900 Franken bezahlt werden. Noch vor wenigen Jahren waren die Preise für dieselbe Strecke mindestens doppelt so hoch.

Auch Business- und First-Class Flüge nach Asien und in den Mittleren Osten werden für den Otto Normalverbraucher immer erschwinglicher. Ein Flug in der "Promi-Klasse" mit Etihad Airways nach Abu Dhabi ist zum Beispiel ab 3360 Franken zu haben, und nach Singapur mit Thai Airways kostet das First-Class Ticket läppische 3900 Franken.

Die Tiefstpreise finden sich derzeit auf einigen Websites wie zum Beispiel vornesitzen.de, die sich auf Reisen in der First- und Business-Class spezialisieren. Das sind in der Regel Klassen, die für Airlines am lukrativsten sind - beziehungsweise waren. Denn der gnadenlose Preiskampf im Airline-Business weitet sich immer mehr in die Hochpreissegmente aus.

Doch die Tiefstpreise sind meistens an Bedingungen geknüpft: Der Tarif ist teilweise nur für zwei oder mehr gemeinsam Reisende gültig und Stornierungen sind oftmals nicht möglich. Zudem ist der Buchungszeitraum auf wenige Tage beschränkt. Für Schweizer kommen weitere Zusatzkosten hinzu. So bietet die Swiss zwar für günstige 2300 Franken ein Business Flug nach New York oder für wenig mehr nach Phuket an. Allerdings startet und endet die Flugreise an einem deutschen Flughafen.

Preiszerfall befällt Luxusklassen

Wem solche Restriktionen zuwider sind und bereit ist, mehr zu zahlen, muss auf Singapore Airlines ausweichen. Ein First-Class Flug von Zürich nach Singapur mit der renommierten Airline kommt auf 7600 Franken zu stehen. Das Angebot ist bis Ende Dezember gültig und ist an zwei Bedingungen geknüpft: Die Buchung muss innert sieben Tagen und die Rückreise bis spätestens Ende Dezember dieses Jahres erfolgen. Noch vor wenigen Jahren kostete dasselbe Ticket gegen 20'000 Franken.

Der Preiszerfall in diesem Ausmass wurde bis anhin nur in der "Holzklasse" – der Economy-Class – festgestellt. Nun geraten aber auch zunehmend die Business- und First-Class-Tarife unter massiven Preisdruck. Als Hauptgrund wird von Aviatik-Profis die bestehenden Überkapazitäten von und nach Asien angegeben. Aber wie die Preisbeispiele zeigen, fallen die Preise auch auf Flügen von und nach Australien und neu sogar auf südamerikanischen Destinationen. So fliegen mit der portugiesischen TAP Business-Class-Passagiere für weniger als 2800 Franken nach Rio de Janeiro. Das Ticket hat eine Gültigkeit von 12 Monaten.

Margenschwund bei den Airlines

Solche Angebote zu Dumpingpreisen werden immer häufiger. Und das Argument, saisonale Schwankungen mit Lockangeboten auszugleichen, zieht je länger je weniger. Denn die Reisezeiträume betragen oftmals mehrere Monate. Die Preisbaisse wird zusätzlich durch die Finanzkrise angefacht. Firmen buchen für ihre Mitarbeiter häufiger Economy, um Kosten zu sparen.

Die Folgen des Preiszerfalls zeigen sich denn auch in den Halbjahreszahlen der Airlines.
Die Swiss hat zwar im ersten Halbjahr 2012 die Auslastung um 4,5 Prozent auf 7,7 Millionen Passagiere steigern können, dafür ist das operative Ergebnis um mehr als die Hälfte auf 61 Millionen Franken eingebrochen. Grund dafür seien sinkende Durchschnittserlöse, sagte Swiss-Chef Harry Hohmeister in einem Communiqué zur Präsentation der Halbjahreszahlen am 2. August.

Auch die Muttergesellschaft Lufthansa kämpft mit schwindenden Margen und hat bereits im Mai ein massives Sparprogramm angekündigt. Weltweit sollen in den kommenden Jahren 3500 von rund 17'000 Stellen in der Verwaltung gestrichen werden. Was dies für den Personalbestand der Swiss konkret bedeutet, ist noch unklar.