Man muss nicht Politiker oder eine Miss Schweiz sein, um einer Unwahrheit im eigenen Curriculum Vitae (CV) überführt zu werden. Der frühere deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stolperte über Plagiatsvorwürfe in der eigenen Doktorarbeit. "Miss Bschiss" Kerstin Cook, die Miss Schweiz des letzten Jahres, wurde vorgeworfen, die von ihr im CV genannte Universität in England existiere gar nicht - worauf sich Cook in Widersprüche verstrickte. 

Zwei Beispiele, die zeigen, dass es längst nicht alle mit der Wahrheit so genau nehmen. Auch im Job-Leben greift die Seuche mit dem Lebenslauf-Lügen um sich. Deshalb lassen Firmen bei der Suche nach neuen Arbeitskräften immer häufiger die Dossiers von potenziellen Kandidaten auf Herz und Nieren überprüfen, bevor sie ihnen einen Arbeitsvertrag anbieten. Immer beliebter wird der so genannte "Background Check", bei dem externe Firmen unter anderem die Angaben der Kandidaten in ihren Lebensläufen unter die Lupe nehmen.

Zunehmendes Bedürfnis nach CV-Checks

"Die Nachfrage nach Curriculum-Vitae-Checks ist in den letzten zwei, drei Jahren deutlich gestiegen", sagt Claude Arato vom Zürcher Informationsrecherchebüro Millwisch & Arato – nicht zuletzt, weil publik gewordene Fälle wie jener von Politiker zu Guttenberg das Thema salonfähig gemacht hatten. Seit fünf Jahren beschäftigt sich der ehemalige Mitarbeiter einer Headhunting-Firma zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael Millwisch mit der Suche nach verborgen gebliebenen Informationen. 

Allerdings sei die Schweiz in dieser Beziehung lange ein Entwicklungsland gewesen, während in USA und Asien solche Praktiken längst gang und gäbe gewesen seien, sagt Arato. Den Grund dafür vermutet er in den engen Verflechtungen im Schweizer Arbeitsmarkt und dem generalisierten Vertrauen.

Doch dieses sei in jüngster Vergangenheit aufgebrochen worden. Zudem arbeiten immer häufiger im Ausland aufgewachsene und geschulte Personen in der Schweiz. Für HR-Manager und Personalberater wird es zunehmend schwieriger, Werdegänge und Bildungsabschlüsse zu beurteilen. 

Anonymisierte reale Beispiele

Dass solche Kontrollen notwendig sind, zeigen nachfolgend einige anonymisierte reale Beispiele, die das Büro Millwisch & Arato zur Verfügung gestellt hat. Im Sinne einer besseren Verständlichkeit hat cash den Personen einen fiktiven Namen gegeben. 

Fall 1: Markus F. Muster soll regionaler Business Development Director einer Versicherungsgruppe werden. Der Backgroundcheck zeitigt keine aussergewöhnlichen Ergebnisse. Doch dies ändert sich, wenn man mit Musters zweitem Vornamen einen Suchdurchlauf startet. In diesem Fall fand sich eine Schuldbetreibung lautend auf den Namen "Franz M. Muster". Die Verwendung unterschiedlicher Rufnamen (wenn vorhanden), aber auch verschiedener Heimatorte ist eine Möglichkeit, Spuren der Vergangenheit zu verdecken (das Auffinden von Spuren einer Person zu erschweren). Es gibt einfache Wege, neugierige Nutzer etwas hinters Licht zu führen, indem man beim Eintrag ins Handelsregister unterschiedliche Heimatorte angibt oder verschiedene Vornamen aufführt und somit der Bezug zu einer Person erschwert wird.


Fall 2:
Laura Götschi ist im Rennen als Geschäftsführerin einer Kulturstiftung. Stiftungszweck ist die Unterstützung sozial benachteiligter Kinder. Die Stiftung strebt für gewisse Projekte eine enge Zusammenarbeit mit den Landeskirchen an. Der Backgroundcheck ergibt, dass Frau Götschi eine regelmässige Leserbriefschreiberin ist. Die Zuschriften sind jeweils unter echtem Namen verfasst und lassen zumindest die Vermutung aufkommen, dass es sich hierbei um eine Person handelt, welche radikale politische Ansichten (fundamental-christlich, gesellschaftspolitisch reaktionär) vertritt.

Fall 3: Kandidat Thomas Nauer, der als möglicher Geschäftsführer eines mittleren Unternehmens sämtliche Bewerbungsphasen erfolgreich durchlaufen und nur noch das Assessment vor sich hatte, wurde via Backgroundcheck durchleuchtet. Dabei fiel eine Ungereimtheit im Lebenslauf auf: Herr Nauer Kandidat in seinem Bewerbungs-CV ein (offensichtlich erfolgloses) Engagement als Geschäftsführer eines Handelsunternehmens verschwiegen. Auch wenn er diese Position nur während 9 Monaten innehatte, so hatte seine Anstellung rückverfolgbare Spuren hinterlassen.

"Wir schnüffeln nicht im grauen Bereich"

Bei den Kontrollen werden nur öffentlich zugängliche Quellen im Internet angegangen. "Wir schnüffeln nicht im grauen Bereich", stellt der gelernte Sozialwissenschaftler Arato klar. Im Fokus der Kontrolle stehen vor allem Fragen wie: Wurde der akademische Grad richtig angegeben, und an welcher Ausbildungsstätte wurde er erworben? Stimmt die Verweildauer bei den jeweiligen Firmen? Ist die Job-Bezeichnung wirklich korrekt? Und hat der Kandidat wirklich die Arbeiten erledigt, die er im Lebenslauf beschreibt? Welche Spuren hat er im Netz hinterlassen?

Solche Background- und Lebenslauf-Checks machen allerdings nicht nur spezialisierte Unternehmen. Auch Headhunter greifen selber immer mehr zu diesen Kontrollmitteln. "Bei uns werden die Lebensläufe von Bewerbern schon seit Jahren genau gescannt", sagte eine Sprecherin des Headhunting-Büros von Björn Johansson in Zürich. Auch andere Rekrutierer bestätigten am Telefon, dass eine solche Vorgehensweise durchaus üblich geworden ist.