In den letzten vier Wochen stieg die Unze Palladium um 15 Prozent auf knapp 700 Dollar an. Letztmals waren die Notierungen Mitte September des letzten Jahres auf diesem Niveau. Ende September sackte der Kurs auf 568 Dollar ab, um Schwung für eine kurze Rally zu holen. Danach setzte das Edelmetall im November erneut zum Sturzflug an. Einen ähnlichen Kursverlauf zeigt auch das Platin an. Seit Jahresbeginn erholen sich die Notierungen aber konstant.
Das Auf und Ab der beiden Edelmetalle entspricht ziemlich genau den Konjunkturprognosen. Als im September und November des letzten Jahres viele Marktbeobachter eine Rezession in Europa und den USA prognostizieren, sackten die Palladium- und Platin Kurse ab. Seit Jahresbeginn allerdings haben sich die Konjunkturdaten verbessert - teilweise stärker als erwartet. Davon konnten auch die Edelmetall-Kurse profitieren. Und mit weiteren Kursavancen ist zu rechnen.
"Wir sehen Palladium gegen Ende Jahr auf 750 Dollar pro Unze steigen", sagt etwa Norbert Rücker, Leiter Rohstoffresearch bei Julius Bär. Am Montag liegt der Palladium-Kurs bei 697 Dollar pro Unze.
US-Autoverkäufe treiben Palladium hoch
Die Gründe für die nachhaltige Hausse: Die Autobauer sind in den USA mit überraschend guten Umsatzzahlen ins neue Jahr gestartet. Die großen Hersteller schlugen auf dem wichtigen Absatzmarkt im traditionell schwachen Verkaufsmonat Januar fast zwölf Prozent mehr Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge los als vor Jahresfrist. Und auch der weltgrösste chinesische Automobilmarkt steht wieder auf stabileren Füssen. Palladium wird vor allem in Katalysatoren von Benzinmotoren verwendet.
Anders als Palladium wird das Edelmetall Platin bei Katalysatoren von Dieselmotoren eingesetzt. Europa ist der Hauptmarkt für Dieselautos. Wenn die europäische-Staatsschuldenkrise sich weiter zuspitzt, "dann ist mit Kurskorrekturen im Platin zu rechnen", sagt Rücker. Innert Monatsfrist konnte der Platin-Kurs um gut 13 Prozent zulegen und seit Jahresbeginn sogar gegen 15 Prozent.
Südafrika mit Produktionsengpässen
Längerfristig betrachtet seien aber sowohl Platin als auch Palladium in einem Aufwärtstrend. Denn die Nachfrage werde weiterhin solide sein und Strukturprobleme in Südafrika würden die Preise zusätzlich in die Höhe treiben, so der Rohstoff-Experte.
Dreiviertel der globalen Platin-Produktion und rund 25 Prozent des weltweit nachgefragten Palladiums stammen aus Südafrika. Südafrika kommt aber mit der Produktion nicht nach. Dies einerseits, weil nicht zeitgerecht in neue Schürfanlagen investiert wurde und das Land zudem unter Stromunterversorgung leidet. Stromausfälle führen immer wieder zu Produktionsausfällen. "Steigende Löhne und Investitionen in neue Anlagen sollten den Platin-Kurs zusätzlich verteuern", sagt Rücker.
