Derzeit häufen sich Berichte, dass Anleger in Aktien von Minengesellschaften investieren sollen. Denn diese seien derzeit so billig wie selten zuvor. So gab die Credit Suisse kürzlich eine Studie heraus, die diverse Goldminen-Titel als potenzielle "Hot Stocks" empfahl. Kurssteigerungen bei einzelnen Titeln von bis zu 50 Prozent seien innert Jahresfrist möglich, so die Autoren der Studie (cash berichtete).
Doch für Sreejith Banerji, Fondsmanager bei Vontobel Asset Management, sind die tiefen Bewertungen trügerisch. "Wir betrachten Aktien von Rohstoffproduzenten als Value-Fallen", so Banerji. Die Profitabilität der Rohstoffproduzenten werde inskünftig negativ beeinflusst, so der Fondsmanager, der seit vier Jahren für Vontobel tätig ist.
Förderkosten und staatliche Abgaben nehmen zu
Mit Problemen sieht sich die Rohstoffbranche, so Banerji, vor allem auf zwei Ebenen konfrontiert: Erstens würden die Arbeits- und Projektkosten der Unternehmen stetig zunehmen, weil die Rohstoffe in geologisch immer schwierigeren Zonen gefördert werden müssten. Dies lasse die Margen schmelzen. Zweitens greife ein so genannter Ressourcen-Nationalismus um sich. Das heisst: Immer mehr Regierungen von ressourcenreichen Staaten zwacken einen Grossteil der Gewinne von Rohstoffunternehmen in Form von Steuern und Förderabgaben ab, was wiederum zu Lasten der Aktionäre geht.
Jüngstes Beispiel ist das Schwellenland Indonesien. Das Land besteuert seit Anfang Mai ihre Rohstoffexporte mit einer Steuer von 20 Prozent. Im kommenden Jahr soll der Steuersatz gar auf 50 Prozent angehoben werden. Global betrachtet ist Indonesien bei Nickel, Bauxit und Kupfer ein wichtiger Player.
Solche Probleme halten den Vontobel-Manager davon ab, Minentitel wie zum Beispiel Xstrata zu kaufen. Bei Xstrata, der designierten Braut des weltgrössten Rohwarenhändlers Glencore, macht die Kupferförderung den Löwenanteil am Umsatz aus. Der Blick auf den Aktienkurs des in Zug domizilierten Unternehmens zeigt: Seit Jahresbeginn verlor der Titel über 7 Prozent. Und die Glencore-Valoren büssten gar rund 10 Prozent ein.
Auf Zulieferfirmen ausweichen
Ganz anders die Aktien von Unternehmen, die Technologien für die Förderung von so genannt unkonventionellen Energiequellen liefern. Die an der NYSE kotierten Titel von Seadrill, eines auf Tief- und Ultratiefseebohrungen spezialisiertes Unternehmen in Norwegen, befindet sich mit gut 41 Dollar nur noch einen Dollar vom Allzeithoch von Ende Februar entfernt.
Auch Aktienkurse von Firmen, die Ersatzstoffe für knappe Ressourcen entwickeln, konnten deutlich zulegen. Die Valoren des auf Erdöl-Substitute setzende Spezialchemie-Unternehmens Croda International notieren nahe des Rekordniveaus.
Im Video-Interview sagt Sreejith Banerji welche die grössten Risiken für den Fonds darstellen und welchen Schweizer Titel sich in seinem Portfolio befindet.
Sreejith Banerji ist Manager des Vontobel-Fonds "Future Resources". Er ist in 50 bis 70 Titeln investiert, welche von der Ressourcenknappheit, dem steigenden Bedarf an Energie und landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie verwandten Themen profitieren. Seit Jahresbeginn konnte der rund 120 Millionen Euro schwere Fonds eine Wertsteigerung von über 10 Prozent erzielen. Seit dem Start im November 2008 liegt der Fonds 75 Prozent im Plus.


