So günstig konnten sich Schweizer Finanzinstitute noch nie mit frischem Geld eindecken. Das Zielband für den Dreimonats-Libor verharrt auf einem rekordtiefen Niveau von zwischen 0 bis 0,25 Prozent. Damit erhalten Geschäftsbanken Kredite von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) fast umsonst. Eine schöne Welt für UBS und Co. - doch von diesem günstigen Umfeld profitieren deren Kunden nur wenig.

Noch hat das tiefe Zinsumfeld die Banken nicht dazu bewogen, ihre Sollzinsen bei Privatkonten anzupassen. UBS und CS verlangen satte 12,5 Prozent "Strafzinsen", falls der Kontoinhaber überzieht. Im Gegenzug werden Guthaben mit bescheidenen 0,125 Prozent verzinst. Ein krasses Missverhältnis.

Mangelhafte Transparenz

Darüber hinaus ist die Transparenz mangelhaft. Auch nach längerem Suchen etwa auf der Website der Credit Suisse stösst der Kunde lediglich auf die Information, dass ein Sollzins existiert. Wie hoch dieser ist, erfährt man erst auf Anfrage. Eben: 12,5 Prozent.

Konsumentenschützerin Sarah Stalder bemängelt die fehlende Transparenz und sagt gegenüber cash: "Wir fordern seit Jahren, dass Zinsen und Gebühren ausgewiesen werden." Diese wichtigen Informationen müssten dem Kunden noch vor dem Vertragsabschlusse in einer übersichtlichen Form vorgelegt werden.

"Doch die Banken wehren sich mit Händen und Füssen dagegen", kritisiert Stalder. Gemäss Preisbekanntgabeverordnung des Staatssekretariats für Wirtschafts (Seco) sind die Banken verpflichtet, auf den Sollzinssatz hinzuweisen – nicht aber auf dessen Höhe.

Hoher Zinssatz als "prohibitive Wirkung"

Die Credit Suisse argumentiert, dass das Privatkonto "grundsätzlich auf der Habenbasis geführt" werden. Eine Überziehung sei nicht vorgesehen. Und trotzdem darf überzogen werden. Eine Logik, die sich dem Kunden womöglich nicht ganz erschliesst.

Mediensprecherin Daniela Häsler präzisiert: "Die Möglichkeit der Kontoüberziehung gibt dem Kunden bei Bedarf und in Absprache mit der Bank die notwendige Flexibilität, um beispielsweise die Miete vor der Salärzahlung zu begleichen."

Etwas tiefer ist der Sollzinssatz bei der Zürcher Kantonalbank. Seit April 1998 beträgt dieser 9,75 Prozent. "Dieser Zinssatz wird nicht den Entwicklungen des allgemeinen Zinsniveaus angepasst", teilt Mediensprecher Thomas Pfenninger schriftlich mit. Grund für diesen im aktuellen Zinsumfeld hohen Zinssatz sei die "beabsichtigt prohibitive Wirkung". Mit anderen Worten: Die Kantonalbank möchte die Attraktivität von Kontoüberzügen möglichst gering halten.

Beide Banken denken nicht über eine Senkung des Sollzinses nach. Die Credit Suisse will zumindest etwas Transparenz schaffen. Daniela Häsler von der Credit Suisse verspricht am Telefon mit cash, den Sollzins ab Januar 2013 in den Factsheets, im Zinssatzflyer sowie auf der Website in der entsprechenden Rubrik aufzuführen.

Zinsen decken Risiken

Für die Postfinance ist deren aktueller Sollzins von 9,5 Prozent gerechtfertigt: "Die Sollzinsen decken sowohl die Risiken als auch den administrativen Aufwand von Kontoüberzügen", erklärt Mediensprecher Marc Andrey und zerschlägt jedwelche Hoffnung, dass der Sollzins nach unten angepasst wird. Diese würden durch die historisch tiefen Zinsen auf den Geld- und Kapitalmärkten nicht kleiner.

Und die UBS ist bestrebt, dass sie ihre Kunden nicht in den Schuldenfallen geraten. Es könne in gewissen Situationen vorkommen, dass ein Kunde sein Konto überzieht, sagt Mediensprecher Samuel Brandner. "Um in diesen Fällen dem Kunden Transparenz aufzuzeigen, bietet UBS via SMS oder E-Mail einen Meldeservice an."  Die 12,5 Prozent, sagt Brandner, seien deshalb so hoch angesetzt, weil die Bank das volle Ausfallsrisiko trage.

Auch die anderen von cash angefragten Banken begründen den hohen Sollzins mit dem Ausfallrisiko, dem sie ausgesetzt seien. Es sei eben kein Kredit, argumentieren die Finanzinstitute. Aber warum wird der Haben Zins nach unten angepasst während der Sollzins in Stein gemeisselt ist? Die Banken sagen unisono: Die Entwicklung von Haben- und Sollzinsen lasse sich nicht direkt miteinander vergleichen. Die Betreuung und Überwachung von Sollbeständen sei mit grösseren administrativen Aufwänden verbunden.

Tabelle: Auswahl von Schweizer Banken und ihre Sollzinsen

Bank Konto Habenzins Sollzins
Credit Suisse Privatkonto 0,05 % 12,5 %
UBS Privatkonto 0,05 % 12,5 %
Zürcher Kantonalbank Privatkonto 0,1 % 9,75 %
Postfinance Privatkonto 0,125 % 9,5 %
Migros Bank Privatkonto 0,125 % 8 %
Bank Coop Privatkonto 0,1 % 11,5 %
Bank Zweiplus Privatkonto 0.125 % 6,75 %