Im Vergleich mit Deutschland und den USA stand die Schweiz wirtschaftlich lange besser da. Das Wachstum war höher, die Arbeitslosigkeit tiefer und die Zuversicht unter den Managern grösser. Doch solche Zustände gehören der Vergangenheit an. "Die Schweiz befindet sich in einer milden Rezession", sagt Jan Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin.

Ob Wirtschaftswachstum, Exportzahlen oder Umfragen bei Einkaufsmanagern: Überall sind die Zahlen zum Teil deutlich gesunken. Einzelne Indikatoren zeigen Kontraktionstendenzen - also das Gegenteil von Wachstum - an. 

Tiefster Stand seit Mitte 2009

Im Dezember sanken die Schweizer Exporte erneut, nachdem sie bereits im November stark eingebrochen waren. Insgesamt legten die Schweizer Exporte im 2011 nur um 2 Prozent zu. Ein Jahr zuvor resultierte noch ein Plus von 7 Prozent. Dieser Abwärtstrend spiegelt sich auch im KOF-Konjunkturbarometer, das den tiefsten Stand seit Mitte 2009 anzeigt.

In den letzten Monaten hatten die Ökonomen der Banken und Konjunkturforschungsstellen die Schweizer Wachstumsprognosen im Quartalstakt ständig nach unten revidiert. Zuletzt beliefen sich die Konsensschätzungen auf ein minimales Wachstum zwischen 0,4 und 0,8 Prozent. Für die ersten zwei Quartale 2012 wird sogar mit einem negativen Wachstum gerechnet.

Anlage-Fokus auf Deutschland und USA richten

Die Zuversicht der Anleger ist für die Schweiz weit geringer als für Europa und die USA. Dies spiegelt sich sowohl in den Konjunkturdaten als auch in den Entwicklungen an den Aktienmärkten. Der deutsche, amerikanische und chinesische PMI-Index sind im Gegensatz zur Schweiz angestiegen.

Auch die Börsenplätze übertrumpfen den Leitindex der Schweizer Börse teilweise mehrfach. So liegt der Dax-Index seit Jahresbeginn mit 13 Prozent im Plus, auch der Dow Jones konnte 5 Prozent zulegen. Der Swiss Market Index (SMI) hingegen avancierte bloss 2 Prozent. Laut Investmentprofis ist das ein Grund, die Anlagestrategie zu überprüfen:

"Anleger sind gut beraten, verstärkt in Deutschland, den USA und in die Schwellenländer zu investieren", sagte Alex Hinder, Inhaber von Hinder Asset Management, im cash-Börsen-Talk.

Frankenstärke hemmt Umsatzwachstum

Anders als Firmen aus Deutschland oder den USA kämpfen Schweizer Unternehmen mit einer starken Währung. Diese stieg wieder nahe an die Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken. Investmentprofis wie Hinder glauben, dass die Kursuntergrenze Ende Februar getestet werden könnte. Selbst eine kurzfristige Unterschreitung der 1,20-Franken-Marke schliesse er nicht aus.

Die Konsequenzen des harten Frankens machen sich in den Jahresergebnissen der Schweizer Unternehmen stark bemerkbar: Der negative Währungseinfluss machte beim Pharmariesen Roche und beim Industriekonzern Bucher ganze 12 Prozent aus. Auch der Autozulieferer Autoneum hat deshalb einen tieferen Umsatz als im ersten Halbjahr erzielt.