Die Preise für Inlandgüter sind im Juli gegenüber dem Vormonat stabil geblieben. Die Preise für Importgüter hingegen sind um 1,7 Prozent gesunken. Dies teilte das Bundesamt für Statistik am Dienstag mit. Damit bestätigt sich der Trend hin zu günstigeren Importgütern.
Hauptgrund für die sinkenden Preise ist nach wie vor der starke Franken. Der Startschuss für die Preisreduktionen markierte der 9. August 2011. Damals schrammte der Euro-Franken-Wechselkurs haarscharf an der Parität vorbei. Der Druck aus der Öffentlichkeit auf die beiden grössten Detailhändler der Schweiz - Migros und Coop - nahm rapide zu. Die Forderung der Konsumentenschützer und Preisüberwacher: Die Grossisten müssen die Währungsgewinne an den Konsumenten weitergeben.
In der Folge duellierten sich Migros und Coop im Kampf um tiefere Preise. Von einem Tag auf den anderen folgten Abschläge von bis zu 20 Prozent auf mehrere Hundert Produkte. Teilweise wurden auch Produkte aus den Regalen gekippt, wenn sich Generalimporteure beziehungsweise die Hersteller weigerten, Preisreduktionen zu gewähren - so geschehen bei Kosmetikprodukten von Procter & Gamble oder L'Oréal. Seit einigen Monaten hat sich die Preisschlacht aber abgekühlt.
Raum für Preissenkungen ist hoch
Gross war der Druck auch auf die Autohändler. So zahlten Schweizer für ein vergleichbares Fahrzeug bei hiesigen Autoimporteuren oftmals einen Aufschlag von 10'000 Franken und mehr als bei Händlern in Deutschland (cash berichtete). Autohändler, Importeure und Hersteller schoben sich für den "Schweiz-Aufschlag" während Monaten gegenseitig den schwarzen Peter zu. Doch das war gestern: Heute gehört ein saftiger Euro-Rabatt auf Fahrzeuge aller Art zum Standard.
Dennoch sind die Preise in der Schweiz auf Importgüter nach wie vor zu hoch: "Bei den Importpreisen hat es noch Spielraum nach unten von gegen 18 Prozent", sagt der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm auf Anfrage von cash. Dabei geht Strahm von einer fairen Kaufkraft-Parität von 1,40 Franken aus.
Zum Vergleich: Der Produzenten- und Importpreisindex vom Bundesamt für Statistik weist relativ zum Vorjahr eine Reduktion der importpreise um bloss 4,1 Prozent aus. Mit anderen Worten: "Verglichen mit dem Ausland sind die Beschaffungskosten für den Schweizer Handel rund 20 Milliarden Franken zu hoch", so Strahm.
Motion gegen Preisdiskriminierung hängig
Solch krassen Preisdifferenzen hat Prisca Birrer-Heimo mittels einer Motion den Kampf angesagt. Die SP-Nationalrätin fordert, dass die Behörden ausländische Firmen dazu zwingen können, Schweizer Händler und Konsumenten im Ausland zu den dortigen Preisen zu bedienen. Ziel der Motion ist die Verhinderung der Marktabschottung, die es Unternehmen erleichtert, in der Schweiz höhere Preise durchzusetzen als im Ausland. Ein Beschluss wird in den kommenden Wochen erwartet.
Kommt der Vorstoss durch, würde sich die Preisschlacht unter Detailhändlern und Autoimporteuren erneut wiederholen. Der Preissenkungsdruck auf Importgüter würde sich ebenfalls schlagartig erhöhen, wenn die Mindestkursgrenze von 1,20 Franken nicht mehr gelten würde. Die Parität oder gar noch tiefere Wechselkurse wären die Folgen.
Obwohl ein solches Szenario derzeit unwahrscheinlich ist, wurde bereits mehrmals über die Sinnhaltigkeit der Kursuntergrenze diskutiert. So sind vor allem die stark gestiegenen Euro-Käufe der SNB rechtskonservativen Kreisen ein Dorn im Auge (zum Artikel).
Am 9. August 2011 erreichte der Franken die Fast-Parität zum Euro und ein Rekordhoch gegen den Dollar. In einer Artikel-Serie in dieser Woche beleuchtet cash heisse Fragen zum Thema Frankenstärke. Bisher erschienen:
Teil 1: «Ein Euro-Kurs um 80 Rappen wäre möglich»
Teil 2: SNB-Devisenreserven: cash-Leser werden skeptisch
Teil 3: Dem Tourismus stehen weitere magere Jahre bevor

