Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Kommentar

Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Bankenplatz Schweiz steht voll im Umbruch

Es sind oft die unscheinbaren Meldungen, die im Strom der Wirtschaftsnews untergehen, die aber symbolischen und exemplarischen Charakter haben. Die Axa Bank stellt nach nur drei Jahren Betriebstätigkeit in der Schweiz ihren Betrieb ein. Die Online-Bank, eine Tochtergesellschaft des europäischen Versicherungsgiganten, köderte Kunden seit dem Start mit den höchsten Sparzinsen landesweit.

Nun sieht die Bank wegen des "wirtschaftlich anspruchsvolleren Umfelds" und den "verschärften regulatorischen Massnahmen" keine Zukunft mehr. Die Erhöhung der Einlegerschutzgrenze etwa auf 100'000 Franken in der Schweiz blockiere zuviel Geld.

Die fetten Schlagzeilen gehörten diese Woche den Grossbanken. Ursache und Logik für die Vorgänge dort sind aber dieselben wie bei Axa. Die UBS reduziert endlich das Investmentbanking und trennt sich von Altlasten wie VR-Präsident Kaspar Villiger. Die Bank, die 2008 faktisch pleite war, fokussiert sich auf das ehemalige Kerngeschäft Vermögensverwaltung, dem traditionell stabileren und konstanteren Arm des Bankgeschäfts. Aber auch hier wird die Latte bei den Zielsetzungen viel tiefer angesetzt als vor fünf Jahren.

Die UBS setzt mit dem Umbau den Konkurrenten Credit Suisse unter Druck. Auch die zweitgrösste Schweizer Bank wird das Investmentbanking herunterfahren müssen. Die CS reagiert in den derzeitigen Umwälzungen vorerst in der Vermögensverwaltung: In einem längst überfälligen Schritt integriert sie die Privatbankentochtergesellschaft Clariden Leu. Die Traditionsmarken Leu und Clariden, jahrzehntelang Inbegriff für Swiss Private Banking, verschwinden damit.

Die nächste Meldung wird die Bank Sarasin betreffen. Ob sie nun von Julius Bär übernommen wird, Raiffeisen sich bei den Baslern teileinkauft oder alles beim Alten bleibt. Auch dieser Vorgang verdeutlicht die Konsolidierung und Neuausrichtung des Bankenplatzes Schweiz. Der Umbruch ist voll im Gang.

Und er wird sich fortsetzen. Das wirtschaftliche Umfeld, das voraussichtlich über Jahre unsicher bleibt, Zwangsneuorientierung bei der Annahme von Geldern reicher Kunden, steigende Regulierung und damit höhere Kosten – das alles setzt die Banken unter Druck. Weitere Institute werden von der Bildfläche verschwinden, Arbeitsplätze werden abgebaut.

Die Banken sollten zurückhaltend sein mit Jammern oder Drohen. Die Finanzindustrie hat in der Zeit vor 2008 die Krise im wesentlichen verursacht, in der wir jetzt stecken. Und der Finanzplatz Schweiz im Speziellen hat es verpasst, im Private Banking frühzeitig die Weichen in Richtung Weissgeldstrategie zu stellen. Das übernehmen nun die Regierungen der überschuldeten Staaten in Europa und in Übersee.

Viele Institute haben die Zeichen der Zeit endlich erkannt. Aber ebenso viele nicht. Sie bezahlen weiterhin überhöhte Boni. Diese kolossale Fehlentwicklung nahm auch nach dem Schock von 2008 ihren Fortgang. Und das verstehen die Leute nun definitiv nicht mehr.