Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Kommentar

Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Griechenland-Wahl: Wer hat da gewonnen?

Die Politiker und viele Akteure auf den Finanzmärkten haben ihr Wunschresultat: Die Befürworter eines Sparkurses in Griechenland gewinnen die Parlamentswahlen. Diese waren in den letzten Wochen gleichsam zur Schicksalwahl für die Eurozone hochgeredet worden.

Doch die Reaktion der Märkte ist am Montag lau. Die an sich schon schmalen Gewinne an den Börsen bröckeln wieder ab. Von einer erhofften Rally ist weit und breit nichts zu sehen. Und die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen steigen am Montag nach kurzer Erholung zum ersten Mal über 7 Prozent. Das zeigt: Die Probleme rund um Griechenland sind alles andere als gelöst.

Schon die Regierungsbildung der unter sich zerstrittenen griechischen Parteien wird harzig. Die zweite Hürde ist die wichtigere: Werden die Griechen die Spar- und Reformauflagen der Troika einhalten? Zweifel sind angebracht: Bereits fordern Exponenten der siegreichen Partei Neue Demokratie Lockerungen bei den Sparauflagen.

Man muss kein Hellseher sein: Das Gezerre und Gezänke in und um Griechenland wird weitergehen. Die "Griechenland-Euro-Frage" ist bloss vertagt worden. Und der Fokus der Investoren richtet sich sehr schnell wieder auf Spanien und Italien.

Die Geduld der Märkte, aber auch die der Wähler in den Eurozonen-Ländern, wird dabei immer ärger strapaziert. Und den Verschnaufpausen à la Griechenland-Wahl geht immer schneller der Schnauf aus. Insofern war das Resultat vom Sonntag in Athen ein schlechtes aus Sicht derjenigen, die sich in der Eurozone rasch klarere Verhältnisse erhoffen.

In der Eurozone wird es keine Ruhe geben, bis die Finanzmärkte von einer wie auch immer gelagerten Form von Gemeinschaftshaftung im Euroraum überzeugt werden. Je länger dies dauert, desto volatiler werden die Märkte - und desto instabiler wird das Finanzsystem.