Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Kommentar

Daniel Hügli, Chefredaktor cash

Grübel-Abtritt - logisch und unausweichlich

 

Ob der Rücktritt von Oswald Grübel freiwillig erfolgte, wie dies nun offziell verlaubart wird und bei Abgängen solcher Art Tradition hat, oder ob Grübels Abgang durch Investoren und Verwaltungsrat forciert wurde, ist Nebensache. Der Rücktritt Grübels war unausweichlich. Er ist logisch und konsequent.

Warum? Grübel hatte schlicht und einfach die wichtigste Eigenschaft eines CEO verloren. Seine Glaubwürdigkeit. Und zwar die Glaubwürdigkeit gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber den Aktionären und gegenüber den UBS-Mitarbeitern.

Erstens: Grübel ist ein "Old-School"-Banker. Er wollte die UBS in der Art und Weise weiterführen, als hätten vor drei Jahren irgendwelche Detailhändler und nicht die Banken das Finanzsystem an den Rand des Abgrunds getrieben. Grübel, der alte Bond-Trader, liebt das Risiko, und er rüstete das UBS-Investmentbanking wieder massiv auf. Zudem äusserte er sich dezidiert gegen neue Bankenregulierungen und drohte schon mal mit dem Wegzug der UBS aus der Schweiz: Minuspunkte in der Öffentlichkeit.

Zweitens: Grübel wäre nicht Grübel, wenn er nicht gleich bei Amtsantritt eine klare Message an die Märkte und Investoren gerichtet hätte. Er wollte 15 Milliarden Franken Vorsteuergewinn frühestens bis 2012 realisieren. Eine Hoch-Risiko-Prognose, die sich schon bald als sehr unrealistisch herausstellen sollte: Minuspunkte bei den Aktionären.

Drittens: Der Händlerskandal im vom Grübel aufgepeppten Investmentbanking brachte das Fass zum Überlaufen, vor allem bei den Mitarbeitern. Wer dieser Tage mit Vermögensverwaltungsangestellten der Bank gesprochen hat, weiss, wie gross die Wut wieder mal auf die Investmentbanker ist: Minuspunkte für Grübel auch bei der Belegschaft.

Nach dem unausweichlichen Grübel-Abgang muss nun der nächste logische Schritt erfolgen. Auch VR-Präsident Kaspar Villiger muss abtreten. Angetreten war Villiger als Hoffnungsträger, er wollte den "alten Glanz" der Grossbank wiederherstellen. Er verteidigte stattdessen alsbald die hohen Boni und stimmte unterschwellig in Grübels Wegzugs-Drohungen ein. Villiger ist wie Grübel nicht mehr glaubwürdig. Unerträglich der Gedanke, dass Villiger noch bis 2013 VR-Präsident der Bank sein soll.