Kommentar
Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Thomas Jordan for President!
"Ich denke ein paar Monate. Nicht sechs Monate, vielleicht April, Mai oder so." Das sagte Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am Mittwoch auf die Frage, wann ein Nachfolger für Philipp Hildebrand im Dreier-Direktorium der SNB feststeht.
Der Bundesrat will den Präsidenten erst wählen, wenn der Vorschlag für den leeren Posten im Dreier-Direktorium vorliegt. Und man will die Zeit nutzen, die Untersuchungen über die privaten Transaktionen der bisherigen Direktoriumsmitglieder gründlich durchzuführen. Das ist richtig, hier muss absolute Klarheit bestehen.
Dennoch ist die offenbar gleichmässige Verteilung der Aufgaben - Suche nach einem Nachfolger für das Dreier-Gremium und die Prüfung der Direktoriumsmitglieder – unverständlich. Man würde lieber das Schwergewicht auf die baldige Bestellung des neuen Präsidenten legen. Das heisst: Die privaten Transaktionsprüfungen schwerpunktmässig behandeln, den Präsidenten bestimmen und erst dann das neue Direktoriumsmitglied wählen.
Warum? Europa steckt politisch und wirtschaftlich in der schwierigsten Situation der Nachkriegszeit. In den nächsten Monaten kann in der Eurozone viel Entscheidendes passieren. Und in dieser Zeit muss die Schweizerische Nationalbank die Mindestgrenze von 1,20 Franken verteidigen. Die baldige Wahl eines Präsidenten wäre somit ein eminent wichtiges Zeichen an die Märkte.
Kommt dazu: Es wurde kaum jemand Präsident der Nationalbank, ohne vorher jahrelang Mitglied des Direktoriums zu sein. Mit dieser Tradition zu brechen, wäre jetzt ein falsches Signal. Also, warum jetzt so lange zuwarten und nicht zur Tat schreiten?
Mit Thomas Jordan steht ein absolut fähiger und integrer Nachfolger für Philipp Hildebrand bereit. Er hat sich in den letzten Jahren in den Job eingelebt, ihm bislang angekreidete Defizite, etwa auf rhetorischer und kommunikativer Ebene, konnte er gerade in den letzten 18 Monaten merklich reduzieren. Und die Aussage, dass er ein monetaristischer Dogmatiker sein soll, so wie ihn Rudolf Strahm auf diesem Internet-Portal kritisierte, ist in einer Zeit, in welcher wirtschafts- und geldpolitischer Pragmatismus gefragt und von der SNB auch vorgelebt worden ist, ziemlich irrelevant.
