Herbert Scheidt folge Urs Widmer, dessen Amtszeit aufgrund der im Organisationsreglement festgelegten Altersgrenze mit der kommenden Generalversammlung ende, schreibt Vontobel in einer Mitteilung. Über die Wahl Scheidts entscheidet die Generalversammlung am 3. Mai 2011.
Über die Neubesetzung der CEO-Position entscheidet der Vontobel-Verwaltungsrat bis im Frühjahr 2011.
Der «Transfer» Scheidts zum VR-Präsidiumsposten kommt nicht überraschend. Spätestens mit einer Interview-Aussage vor zwei Wochen wurde klar, dass er zu einem Wechsel nicht Nein sagen würde. «Ob ich ein geeigneter Kandidat für die Position des Verwaltungsratspräsidenten bin, das müssen der Verwaltungsrat und die Poolaktionäre zu gegebener Zeit beantworten», sagte Scheidt Mitte August.
Scheidt (59) ist seit 1. Oktober 2002 CEO der Vontobel-Gruppe. Zuvor war er Leiter des Private Banking International der Deutschen Bank in Genf und CEO der Deutschen Bank Schweiz. Die Bank, die im letzten Jahr einen Gewinn von 139 Millionen Franken erzielte, baute unter Scheidt das Investmentbanking und insbesondere das Derivategeschäft kräftig aus.
Mühe im Private Banking
Die Folgen waren sehr volatile Resultate und Gewinnbeiträge vom Investment Banking von rund 75 Prozent an das Gruppenresultat (wie im Jahr 2009). Im Private Banking hatte die Bank beim Nettneugeldzufluss in den letzten Jahren wiederholt Mühe. Scheidt leitete Gegenmassnahmen ein.
«Wir wollen das Private Banking mit Investitionen stärken, auch das Asset Management. Die Akquisition der Commerzbank Schweiz AG ist ein gutes Beispiel dafür», sagte Scheidt in einem «cash»-Interview vor drei Monaten.
Scheidt folgte im Jahr 2002 auf Robert Zingg, der die Bank abrupt verliess. Zingg hatte die Führungskrise der Gruppe sowie das Debakel um die Internet-Bank You schadlos überstanden und wurde darauf zum Nachfolger des entlassenen Vorsitzenden der Gruppe, Jörg Fischer, berufen.
