Die Schweiz hat einen weiteren Manager-Skandal: Michael Storm, Verwaltungsratspräsident des Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach, wurde per sofort seines Amtes enthoben und durch Vizepräsident Hans-Peter Zehnder ersetzt. Storm wird vorgeworfen, etwa 1,5 Millionen Euro in die eigene Tasche geleitet zu haben.
In einem Communiqué sprach Schmolz + Bickenbach von Personal- und Sachkosten, welche aus einer regelwidrigen Abgrenzung von privat und betrieblich veranlassten Aufwendungen entstanden seien. Genauere Angaben dazu wollte das Unternehmen nicht machen. Ein auf Compliance spezialisiertes Unternehmen sei mit der Überprüfung des Sachverhalts beauftragt worden.
Ein cash-User spricht in einem Kommentar von einem "Steal-Syndrom", das den Stahl-Konzern befallen habe. Eine Anspielung an das phonetisch gleich lautende englische Wort "Steel" für Stahl.
Bundesverdienstkreuzträger, Richter und Naturfreund
Dass gerade Michael Strom zum mutmasslichen Veruntreuer eines Millionenbetrages wurde, überrascht nicht wenig. Denn im Juni 2010 erhielt Storm noch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des damaligen deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler an die Brust geheftet. Geadelt wurde Storm wegen seinen vielfältigen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. Diese tragen dazu bei, "die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu verbessern und soziale Gerechtigkeit im Land zu erhalten", hiess es in der offiziellen Dankesrede.
Doch Storm setzte sich nicht nur für Wettbewerbsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit ein, sondern auch die Natur liegt im offenbar am Herzen. So ist er seit 2006 Vorsitzender des Stiftungsrates für den Naturschutz. Er sei davon überzeugt, dass Naturschutz im Erleben jungen Menschen beginnen müsse, heisst es auf der Homepage der "Jägerstiftung natur+mensch".
Doch damit nicht genug. Seit 1987 ist Storm Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf und, man lese und staune, ehrenamtlicher Richter beim dortigen Handelsgericht.
Die mit den Titeln verbundene Ehre ist Storm nun vorläufig los. Auch wenn er das Loch in der Kasse bei Schmolz + Bickenbach wieder stopfen will, wie das Unterehmen am Freitag schriftlich mitteilen liess.
Ab 2003 Hauptaktionär und Verwaltungsrat
Storms Nachfolge tritt der bisherige Vizepräsident Hans-Peter Zehnder an, wie Geschäftsführer Michael Imhof auf Anfrage von cash bestätigte. Zehnder wurde an einer ausserordentlichen VR-Sitzung zum Präsidenten gewählt.
Mithilfe der Untersuchung, die den Zeitraum seit 2006 abdeckt, soll nicht nur der genaue Betrag ermittelt werden, den Storm veruntreut hatte. Laut Geschäftsführer Michael Imhof soll sie auch aufzeigen, wie es möglich war, dass Storm über eine derart lange Zeit unbemerkt Geld abzweigen konnte.
Michael Storm war ab 2003 Hauptaktionär und Verwaltungsrat des Vorgängerunternehmens Schmolz + Bickenbach, dem damaligen Hauptaktionär von Swiss Steel. Als die beiden Unternehmen 2006 fusionierten, wurde Storm zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

