Glencore hat mit den am Donnerstag veröffentlichten Informationen zum geplanten Börsengang Klarheit in die finanziellen Details gebracht. Und der Rohstoffkonzern hat die Kandidaten für den Verwaltungsrat bekannt gegeben. Unter ihnen ist der frühere Credit-Suisse-Manager Leonhard Fischer - oder Lenny, wie der nun in London wohnhafte Banker von Bekannten genannt wird.
Für den 48-jährigen Deutschen ist es eine weitere Krönung einer schillernden und abwechslungsreichen Laufbahn. Immerhin ist Glencore der weltweit grösste Rohstoffhändler mit einem Jahresumsatz von 145 Milliarden Dollar. Gemäss den Angaben aus dem IPO-Prospekt wird Glencore an den Börsen in London und Hongkong rund 60 Milliarden Dollar schwer sein.
Bei der Credit Suisse (CS) war er im Rennen um die Nachfolge von Oswald Grübel von Brady Dougan ausgestochen worden. Fischer war 2003 von der CS an die Spitze der Versicherungstochter Winterthur berufen worden, um sie zu sanieren. Das hatte er gut hinbekommen. 2006 verkaufte die CS die Winterthur für 12,3 Milliarden Franken an die Axa. Fischer wurde bei der CS Chef der Region Europa, Middle East and Africa.
Fischer wird neben Tony Hayward sitzen
Zum CEO brachte er es am Zürcher Paradeplatz nicht. Fischer zog die Konsequenzen und wurde Partner bei der belgischen Beteiligungsgesellschaft RHJ, die 2009 ins Bieterrennen um den maroden Opel-Konzern einstieg. In Interviews äusserte sich Fischer schon mal kritisch zur Geschäftswelt der Banker und den Auswüchsen im Finanzsystem.
Letztes Jahr kehrte der bei der Dresdner Bank gross gewordene Fischer ins Banking zurück: RHJ kaufte Kleinwort Benson, eine traditionsreiche englische Handels- und Privatbank. Zuletzt war Fischer auch im Gespräch um die Nachfolge von Sergio Ermotti bei Unicredito. Ermotti wechselt zu UBS als Finanzchef.
Im Glencore-Verwaltungsrat wird er neben Tony Hayward sitzen. Der Brite musste letztes Jahr nach der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko seinen Chefposten bei BP räumen, nachdem er sich der Krisensituation nicht ganz gewachsen gezeigt hatte. Weitere VR-Kandidaten sind Peter Coates, William Macaulay und Li Ning. Glencore-CEO Ivan Glasenberg sowie CFO Steven Kalmin werden die exekutiven Mitglieder sein.
Keine Rede in der Mitteilung von Glencore war von Willy Strothotte: Der Deutsche soll mit über 10 Prozent grösste Glencore-Aktionär sein und präsidierte jahrelang den Verwaltungsrat.
