Denn dann könnten Unternehmensanleihen den Treasuries den Rang als Investment der Wahl ablaufen. Im Augenblick genießen die US-Staatsanleihen aber ein Art Monopolstellung.

"Die Unternehmen wollen sich kein Geld leihen und die Verbraucher können es sich nicht leisten, Geld zu leihen. Daher gibt es keinen Verdrängungswettbewerb", sagte Russ Koesterich, Chef-Investmentstratege der BlackRock-Sparte iShares, in einem Interview mit Reuters. Außerdem profitierten die USA in Zeiten von europäischer Schuldenkrise und mäßigem Weltwirtschaftswachstum vom Status des Dollar als Weltleitwährung, fügt Koesterich hinzu. Daher würden US-Staatsanleihen ähnlich wie Gold oder der Schweizer Franken als "sicherer Anlagehafen" betrachtet.

Der Staat könne seine aktuelle Quasi-Monopolstellung aber schnell verlieren, wenn Unternehmen wieder verstärkt investieren und mit ihren - meist besser verzinsten - Bonds auf den Markt drängen, warnt der BlackRock-Experte. "Dann werden wir zwar keine Krise, aber anziehende Renditen sehen. Bis dahin sind es allerdings sicher noch einige Jahre."

US-Verbraucher kämpfen mit hohen Schulden

Koesterich zufolge wird der Präsidentschaftswahlkampf die Schonfrist für den Schuldner USA möglicherweise sogar noch verlängern. Denn ein verfrühter Sparkurs der Regierung in Washington könnte die Konjunktur abwürgen. "Die US-Verbraucher kämpfen mit hohen Schulden und geringem Einkommenswachstum. Sollten die USA auf Sparkurs gehen, bevor die Verbraucher wieder auf den Beinen sind, könnte das die Erholung gefährden." Entsprechend gering wäre in diesem Fall die Investitionsneigung der Unternehmen.

Als Gefahr für das Wachstum sieht er vor allem die automatischen Haushaltskürzungen, die ab dem kommenden Jahr auf der Tagesordnung stehen. Diese könnten zu einer Rezession führen. "Es bleibt nur ein kleines Zeitfenster zwischen der Präsidentschaftswahl im November und Anfang 2013, um sich dieses Problems anzunehmen."

US-Schuldenquote bei 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes

"In den USA gibt es nur eine kleine Gruppe von Investoren, die sich bewusst ist, dass die Verschuldungslage in den USA genau so schlimm wenn nicht sogar schlimmer als in Europa ist", sagt Stratege Koesterich weiter. "Das ist aber nicht überraschend, denn echte Reformen kommen üblicherweise erst dann, wenn der Anleihemarkt einen dazu zwingt. Es wird soweit sein, sobald die Anleihe-Anleger nicht mehr bereit sind, eine hohe Verschuldung mit einem Zins von zwei Prozent zu finanzieren."

Die US-Schuldenquote liegt derzeit bei etwa 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und das Haushaltsdefizit bei rund zehn Prozent. Zum Vergleich: Die entsprechenden Werte für Deutschland liegen bei rund 80 beziehungsweise einem Prozent.

(Reuters)