Am letzten cash Powertalk des Jahres machte am Donnerstagabend einer der Wirtschaftsführer der Schweiz seine Aufwartung. Walter Kielholz, seit Mai 2009 VR-Präsident des weltgrössten Rückversicherers Swiss Re, sprach darüber, wie man richtig entscheidet – und über die sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten.

Walter Kielholz ist einer, der aus seinen Vorlieben und Nähen keinen Hehl macht. Freunde der FDP, Kunstgesellschaft, Rotarier, Swiss Re, Credit Suisse. Der 60-jährige Zürcher ist einer der weniger gewordenen, klassischen Vertreter des "Old-Boys-Network" und damit in der direkten Linie der grossen Schweizer Wirtschaftsführer Ulrich Bremi oder Rainer E. Gut liegend.

Netzwerke findet er nicht schlimm oder schädlich, sondern hilfreich. Sie würden den Kitt des Landes bilden, sagte Kielholz am Powertalk, und stellte die Frage:  Was sind die Online Networks in den Social Medias anderes?

Wie trifft man richtige Entscheidungen?

Am cash-Powertalk, der wiederum vom Finanzdienstleiter AWD ermöglicht wurde, legte Kielholz auch dar, wie er richtige Entscheidungen trifft – und wie er auf falsche reagiert. Dies sei das wichtigste an sich, meinte der Swiss-Re-Präsident, denn noch nie habe er jemanden getroffen, der nur richtige Beschlüsse in seinem Leben gefasst hätte.

Unverzüglich und unsentimental gelte es, die Korrekturen nach einem Fehler vorzunehmen. Und: Man müsse nicht stets sofort und unter dem Druck der mannigfaltigen Einflüsse entscheiden, sondern könne sich durchaus immer auch etwas Zeit lassen. Wenn es sein müsse, könne dieser Prozess des Wartens und Beobachtens Jahre dauern.

Kielholz begeisterte mit ehrlichen und unprätentiösen Antworten. Keinem schwierigen Thema ging er vor dem illustren, ausgewählten Publikum aus dem Weg. Vom Moderator und Gastgeber Bruno Affentranger zur allgemeinen Wirtschaftslage befragt, antwortete er, dass er eine Rezession für das kommende Jahr als wahrscheinlicher anschaue als auch schon. Gleichzeitig warnte er vor stets von Neuem herbeigeredeten Krisen, die unter dem psychologischen Druck der Medien als selbsterfüllende Prophezeiungen wahr werden würden.

Reserven aller Spieler im Markt aufgebraucht

Im Video-Interview mit cash.ch nach der Veranstaltung aber stellte auch Kielholz dar, dass er in seiner langen Karriere noch nie eine ähnliche, vergleichbare ernste Lage angetroffen hätte. Dies, weil die Reserven aller Spieler im Markt – die hoch verschuldeten Länder miteingeschlossen – heute doch ziemlich aufgebraucht seien.

Interessant war Kielholz' Bemerkung zu den neuen Regierungen in den Krisenländern Griechenland oder Italien. Die Führung der Technokraten müsse ausbaden, was die verantwortungslosen Politiker verursacht hätten. Es sei geradezu ein Hohn, dass nicht die politischen, gesellschaftlich gewählten Politiker die Verantwortung übernehmen würden. Kielholz liess sich den Quervergleich zur Schweiz und zum Bundesrat nicht nehmen.

Im Video-Interview äussert sich Walter Kielholz detailliert zur Wirtschaftssituation und auch zu den anstehenden Bundesratswahlen. Eine Fotostrecke zum cash Powertalk mit Walter Kielholz folgt im Laufe des Tages auf www.cash.ch.