Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) geben Gas: Binnen vierer Tage ernennen sie zwei neue Spitzenleute. Am Dienstag war es Stefan Nünlist, bisher Konzernleitungsmitglied von Swisscom, der Leiter Kommunikation der SBB wird. Am Freitag nun stellt der Staatsbetrieb Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid als Leiter Personenverkehr vor. Er wird sein Amt voraussichtlich im 2. Quartal nächsten Jahres aufnehmen.

Der doppelt frische Wind im SBB-Kader ist zwar nicht bewusst gesucht, aber sehr willkommen. Denn Nünlist wie Schmid sind beides hervorragende Kommunikatoren und sehr gut vernetzte Kenner der Schweiz und ihrer regionalen Eigenheiten.

Sympathieträger für das Sorgenkind

«Jürg Schmid hat umfassende Kenntnisse des schweizerischen und des europäischen Freizeitreisemarktes», sagt denn auch Werner Nuber, jetziger Leiter Kommunikation bei den SBB zu cash. Schmid sei zudem bestens vertraut mit den Bedürfnissen der Schweizer Konsumenten. «Und er ist ein sehr guter Kommunikator.»

All diese Eigenschaften wird der 47-jährige Schmid in seiner neuen Funktion brauchen. Denn die SBB stehen insbesondere im Personenverkehr in der Kritik. Die Probleme reichen von überlasteten Zügen über die Sicherheit bis hin zur Preispolitik.

Der Betriebsökonom wird deshalb im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen und als SBB-Sympathieträger das in den letzten Jahren angekratzte Image aufpolieren müssen. Dafür ist er prädestiniert.  

Chef-Lobbyist der Swisscom an Bord

Das gilt auch für Stefan Nünlist. Der Leiter der Unternehmens-Kommunikation und Konzernleitungsmitglied bei Swisscom hat in seinen Jahren beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und beim Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) viele Freundschaften geschlossen und ein enges, politisches Netzwerk aufgebaut.

In wenigen Wochen ist mit dem fast zehnjährigen Lobbying des 48-jährigen für Swisscom Schluss. Dann steht er in den Diensten der Schweizerischen Bundesbahnen. Für die SBB ein grosser Gewinn, für den Telekomkonzern ein herber Verlust.

Zusammen mit Jürg Schmid wird Stefan Nünlist viel für eine positive Wahrnehmung der SBB bei Politikern, Bahnkunden und in der breiten Öffentlichkeit beitragen können. Der Doppelschlag im Top-Management ist deshalb auch ein Befreiungsschlag für die SBB.