Die HSBC Private Bank (Suisse) musste 2009 einen Nettoneugeldabfluss von 4,1 Milliarden Franken verbuchen. Dabei haben vor allem Kunden aus Europa ihre Gelder von der Genfer Privatbank abgezogen. Der Grund: Nachdem ein ehemaliger Mitarbeiter sensitive Kundendaten Frankreich zum Kauf angeboten hat, trauen Kunden dem Institut nicht mehr.
Zusammen mit den heute veröffentlichten Geschäftszahlen für 2009 versucht HSBC nun den Schaden wieder gut zu machen. «Wir bedauern diese Situation zutiefst und entschuldigen uns bei unseren Kunden in aller Form für diese Bedrohung ihrer Privatsphäre», wird Alexandre Zeller, CEO der HSBC Private Bank (Suisse), im Communiqué zitier.
Angesprochen ist damit die Datenklau-Affäre, die Hervé Falciani, ein ehemaliger IT-Mitarbeiter der Genfer Niederlassung von HSBC, ins Rollen gebrachte hatte. Er hatte Daten von möglichen Steuerhinterziehern geklaut und sie Frankreich zum Kauf angeboten.
15'000 Kunden vom Datenklau betroffen
Frankreich hat die Daten zwar im vergangenen Januar der Eidgenossenschaft zurückgegeben, allerdings Kopien davon behalten. Die Schweiz fordert von Frankreich noch immer die Auslieferung des Datendiebs Falciani. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Falciani eingeleitet.
«Die gestohlenen Kundendaten beschränken sich auf Konten in der Schweiz und betreffen keine Konten bei der ehemaligen HSBC Guyerzeller Bank», präzisiert die Bank am Donnerstag. Insgesamt habe Falciani vor rund 3 Jahren die Daten von rund 15'000 Kunden entwendet.
Der französische Haushaltsminister Eric Woerth hatte von 3000 Franzosen gesprochen. Später wurde spekuliert, dass bis zu 130'000 Kunden, darunter viele Kolumbianer, Italiener und Chinesen, betroffen seien.
Bemerkenswert ist, dass man sich wegen dieser Verletzung des Bankgeheimnisses im asiatischen und lateinamerikanischen Raum keine grossen Sorgen macht. Wie heute ebenfalls bekannt wurde, verzeichnete die Schweizer Niederlassung von HSBC aus diesen Regionen 2009 nämlich Geldzuflüsse in der Höhe von 5,7 Milliarden Franken.
Gemessen am den verwalteten Kundenvermögen von 189 Milliarden Franken, lässt sich der effektive Schaden also auf 2 Prozent beziffern. Das scheint wenig. Doch einmal verlorenes Vertrauen lässt sich nicht so schnell reparieren. Dies zeigt die UBS, bei der sich die Geldabflüsse trotz grossen Anstrengungen des Managements bisher nicht stoppen liessen.
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